Im reproduktionsfähigen Alter wird Progesteron meist bei Corpus-luteum-Insuffizienz eingesetzt. Der endogene Progesteron-Mangel führt zu irregulären Zyklen. Eine verkürzte Lutealphase kann durch orales mikroni­siertes Progesteron normalisiert werden.

Bei Zyklusstörungen stehen der Uterus und seine Funktion im Mittelpunkt. Ovu­la­­tions­störungen dagegen definieren sich durch den ovariellen Zyklus. Beide sind nicht unabhängig. Eine regelrechte Lutealphase erfordert eine normale Follikelphase mit ausreichenden Gonadotropin- und Estradiolspiegeln, sowohl für die Reifung der Eizelle als auch für die Funktion des Endometriums. Eine intakte Lutealphase dauert durchschnittlich 13 Tage – von einem persistierendem Corpus luteum und einer Schwangerschaft abgesehen. Eine Dauer von weniger als zehn Tagen ist ein Indiz für eine insuffiziente Lutealphase. Orales mikronisiertes Progesteron wird eingesetzt, um Zyklen mit verkürzter Lutealphase zu regu­lieren. Damit können sich auch prämenstruelle Beschwerden wie Ödeme und Brustspannen bessern. Bei Kinderwunsch sollte in erster Linie mikronisiertes Progesteron eingesetzt werden, da mit diesem physiologischen Gestagen keine unerwünschten Effekte auf das Kind im Falle einer Schwangerschaft zu erwarten sind.

Zyklusstörungen werden über das Menstruationsmuster eingeteilt

Die Ursachen von Zyklusstörungen sind bei Oligo- oder Polymenorrhoe, Hypo- oder Hypermenorrhoe sowie Metrorrhagie oft hormonell. Bei Metrorrhagie und Amenorrhoe kommen uterine oder hormonelle Dysfunktionen in Betracht, bei Spottings hormonelle oder entzündliche Störungen. In der Perimenopause sind Tempoanomalien wegweisend: Blutungsintervalle über mehr als 34 oder weniger als 25 Tage. Die schwerwiegendste Auswirkung einer Corpus-luteum-Insuffizienz ist eine Amenorrhoe. Bei Kinderwunsch sollte die Progesteron-Therapie erst nach dem Eisprung begonnen werden.

Andere endokrine Störungen ausschließen

Hyperprolaktinämie, Hyperandrogenämie sowie Störungen von Schilddrüsen- und Nebennierenrindenfunktion können eine sekundäre Lutealinsuffizienz auslösen. Direkte Auswirkungen haben hypothalamische Störungen: Zyklusstörungen bei Sportlerinnen sind gut dokumentiert. Gleiches gilt für Anorexia nervosa und Bulimie. In all diesen Fällen kommt es zu einer gestörten Gonadotropin-Ausschüttung. Kritisch scheint die pulsatile Sekretion des Luteinisierenden Hormons (LH) in der Follikelphase zu sein. Bei endogenem Progesterondefizit in der Lutealphase ist im nachfolgenden Zyklus die Frequenz der LH-Pulse erhöht. Eine Normalisierung ist durch die Gabe von oralem oder vaginalem mikronisierten Progesteron in der Lutealphase zu erreichen. Bei jungen Frauen mit Ovarialinsuffizienz ist für verschiedene Dosierungen von vaginalem mikronisiertem Progesteron eine gute Wirksamkeit nachgewiesen: Trotz niedriger Serumspiegel resultieren im Endometrium hohe Wirkspiegel, die eine vollständige Transformation bewirken.

Bei Kinderwunsch ovarielle Dysfunktion abklären

Irreguläre Zyklen mit gestörter Lutealphase können auch durch ovarielle Dysfunktionen bedingt sein. Bei subfertilen Frauen mit Kinderwunsch, bei denen eine Follikelreifungsstörung vorliegt, ist häufig eine Clomifen­therapie aussichtsreich.