Eine Fehlgeburt ist ein einschneidendes Erlebnis – sowohl körperlich als auch seelisch. Um das Risiko für diese traumatische Erfahrung so weit wie möglich zu reduzieren, forschen Medizinerinnen und Mediziner intensiv an den Gründen, Risikofaktoren und den Möglichkeiten der Prävention von Fehlgeburten. Erfahren Sie, wie es zum vorzeitigen Ende einer Schwangerschaft kommen kann und wie Sie das Fehlgeburtsrisiko senken können.
Von einer Fehlgeburt oder einem Abort spricht man, wenn die Schwangerschaft endet, bevor das Kind lebensfähig ist. Als lebensfähig gilt ein Kind ab der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) und ab einem Gewicht von 400 Gramm.
In seltenen Fällen und unter intensivmedizinischer Betreuung überleben Frühchen auch eine Geburt ab der 22. SSW. Von einer Fehlgeburt/Abort spricht man daher, wenn eine Schwangerschaft vor der 24. SSW endet. Die meisten Aborte ereignen sich, bevor die Schwangerschaft überhaupt bemerkt bzw. festgestellt wurde.
Bei Fehlgeburten unterscheiden Medizinerinnen und Mediziner zwischen
Ein Frühabort ist eine Fehlgeburt vor der 13. Schwangerschaftswoche. Ein Spätabort ist eine Fehlgeburt zwischen der 14. und 23. Schwangerschaftswoche. Alle natürlichen Fehlgeburten fallen unter den Begriff Spontanabort, im Gegensatz zu künstlich herbeigeführten Geburten, den artifiziellen Aborten.
50 bis 70 Prozent der Fehlgeburten sind unbemerkte Frühaborte in der Frühschwangerschaft. Sie ereignen sich vor der fünften Schwangerschaftswoche, noch bevor die Frau die Schwangerschaft durch das Ausbleiben der Periode überhaupt bemerkt hat.
Viele Frauen erfahren erst durch einen positiven Schwangerschaftstest von ihrer Schwangerschaft – das ist meist in der fünften Schwangerschaftswoche. Solange lediglich der positive Test eine Schwangerschaft bestätigt, sprechen Medizinerinnen und Mediziner von einer biochemischen Schwangerschaft. Erst wenn eine Ärztin oder ein Arzt durch eine Ultraschalluntersuchung den Herzschlag feststellt, besteht eine klinische Schwangerschaft.
Zwischen 12 und 15 Prozent aller klinischen Schwangerschaften in Deutschland enden vorzeitig mit einer Fehlgeburt. Ab Mitte des zweiten Schwangerschaftsmonats sinkt das Fehlgeburtsrisiko auf 9,4 Prozent und ab der zehnten Woche auf 0,5 Prozent. Laut WHO erleiden ein bis drei Prozent aller Paare im reproduktionsfähigen Alter sogar den wiederholten Verlust einer Schwangerschaft.
Wie sich die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt nach Wochen typischerweise verändert, sehen Sie in der folgenden Übersicht:/
| Schwangerschaftswoche (SSW) | Typisches Fehlgeburtsrisiko* |
| Vor der 4. SSW | 50–70 % (meist unbemerkt) |
| 4.–5. SSW | ca. 20–30 % |
| 6.–7. SSW | ca. 10–15 % |
| 8.–9. SSW | ca. 9,4 % |
| 10.–12. SSW | ca. 0,5 % |
Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt nach Wochen; *Richtwerte für Durchschnittsrisiken; individuell z. B. nach Alter, Vorgeschichte oder Befunden höher/niedriger.
Die Zahlen zeigen vor allem eines: Das Risiko ist in den ersten Wochen am höchsten und nimmt dann deutlich ab. Das kann entlastend sein und gleichzeitig erklären, warum gerade die Frühschwangerschaft so sensibel ist.
Hinter einer Schwangerschaft steckt ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren, das schon durch kleine Einflüsse aus dem Gleichgewicht geraten kann. Daher sind auch die Ursachen für Fehlgeburten vielfältig. Sie reichen von genetischen Auffälligkeiten bei einem Elternteil bis hin zu Einnistungsstörungen des Embryos oder unreifen Ei- oder Spermienzellen.
Hinter den „naturbedingten“ Spontanaborten in der Frühschwangerschaft stecken zumeist der Fälle Chromosomenstörungen in der jungen Zelle. Entdeckt der Körper während der komplizierten Zellteilungsprozesse schwerwiegende Defekte oder Kopierfehler im DNA-Bauplan des Embryos, bricht er nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“ die weitere Entwicklung ab. In der Folge kommt es zu einer Blutung, hinter der die meisten Frauen eine Regelblutung vermuten.
Ursachen für eine Fehlgeburt können beispielsweise sein:
Risikofaktoren, die zu einer Fehlgeburt führen können:
Nicht immer lässt sich eine Fehlgeburt überhaupt diagnostizieren. Viele Fehlgeburten passieren einfach so und gänzlich ohne Symptome. Umso weniger eine Frau mit einer Schwangerschaft rechnet oder auf Anzeichen achtet, desto unwahrscheinlicher wird sie eine Abort-Blutung in der Frühschwangerschaft als Fehlgeburt wahrnehmen. Ist die Schwangerschaft jedoch durch einen Test oder den Ultraschall bestätigt, wird die Frau Anzeichen oder Symptome einer Fehlgeburt eher erkennen und entsprechend darauf reagieren.
Ob Anzeichen auftreten, hängt auch vom Zeitpunkt oder dem Verlauf einer Fehlgeburt ab. Generelle Anzeichen für eine Fehlgeburt können sein:
Eine drohende Fehlgeburt (drohender Abort) ist noch keine Fehlgeburt. Sie äußert sich durch Krämpfe oder Blutungen und erhöht das Risiko für eine tatsächliche Fehlgeburt. Schwangere mit unerwarteten Blutungen (dazu zählen auch Schmierblutungen) sollten sofort zu ihrer Ärztin oder ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus gehen. Schlägt das Herz des Kindes noch, kann evtl. eine Fehlgeburt verhindert werden.
Bei einer verhaltenen Fehlgeburt fehlen oft die Symptome: keine Schmerzen, keine Blutungen. Ist der Muttermund verschlossen, kommt es auch nicht zu Kontraktionen. Daher spricht man auch von einer unbemerkten Fehlgeburt.
Die Mehrheit aller Fehlgeburten sind verhaltene Aborte. Im Unterschied zu den unbemerkten Spontanaborten in der Frühschwangerschaft ist die Schwangerschaft jetzt fortgeschritten. Verhaltene Fehlgeburten werden mitunter erst sehr spät oder nur zufällig entdeckt. Der traurige Ultraschall-Befund bei einer Vorsorgeuntersuchung ist dann der fehlende Herzschlag des Kindes.
Fällt die verhaltene Fehlgeburt auf das erste Schwangerschaftsdrittel, erfolgt eine operative Ausschabung oder eine medikamentöse Therapie. Zu einem späteren Zeitpunkt müssen die Wehen künstlich eingeleitet werden.
Von einer beginnenden Fehlgeburt spricht man, wenn die Lebenszeichen des Embryos noch vorhanden sind oder bereits fehlen und der Fötus vom Körper abgegeben wird. Im Gegensatz zum drohenden Abort ist der Muttermund geöffnet. Symptome einer beginnenden Fehlgeburt sind starke Blutungen, Krämpfe im Unterleib oder im Rücken – ausgelöst durch die Muskelaktivität der Gebärmutter.
Verläuft ein beginnender Abort im medizinischen Sinne „vollständig“, bleiben fetales Gewebe oder die Plazenta im Körper zurück. Finden sich allerdings noch Gewebe-Spuren im Uterus, handelt es sich um einen „unvollständigen Abort“, dessen Fragmente in der Regel operativ entfernt werden müssen.
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind eine essenzielle Voraussetzung, um das Fehlgeburtsrisiko zu senken. Einige Fehlgeburten lassen sich auf diese Weise erfolgreich vermeiden, wenn auch nicht immer. Nehmen Sie die Termine immer wahr und bitten Sie um zusätzliche Termine, sollten Sie sich unsicher fühlen oder wenn Sie Unregelmäßigkeiten feststellen. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig.
Ein Fehlgeburtsrisiko kann durch gynäkologische Untersuchungen, Bluttests, Abstriche oder Ultraschalluntersuchungen diagnostiziert und mit entsprechenden Behandlungen oder Therapien teilweise deutlich minimiert werden.
Mittels Blutuntersuchung kann sowohl die Konzentration des Gelbkörperhormons (Progesteron) als auch des Schwangerschaftshormons hCG (humanes Choriongonadotropin), ermittelt werden. Darüber hinaus bestimmte Entzündungs-, Infektions- sowie Immunparameter, die auf ein Fehlgeburtsrisiko hinweisen. Dazu zählen auch Werte der Schilddrüse, der Blutgerinnung, für den Zuckerstoffwechsel (Check auf Diabetes) oder Autoimmunerkrankungen. Mit einer medikamentösen Therapie können ein Progesteronmangel sowie viele dieser Erkrankungen oder Dysfunktionen wirksam behandelt werden.
Per Ultraschalluntersuchungen lassen sich unter anderem Myome, Verwachsungen der Gebärmutter, Fehlbildungen der Eierstöcke oder Veränderungen der Länge des Gebärmutterhalses (Zervix) diagnostizieren. Nach entsprechendem Befund können bei nicht schwangeren Frauen operative Eingriffe helfen, das zukünftige Risiko für eine Fehlgeburt zu senken. Bei Frauen, die bereits schwanger sind, dienen regelmäßige Ultraschall-Vorsorgetermine der Überwachung einer Schwangerschaft – vor allem, um Risikoschwangerschaften wie beispielsweise eine Mehrlingsschwangerschaft sicher im Blick zu haben.
Tastbefunde waren zwar früher häufiger, sind aber auch heute noch ein probates Mittel der Diagnostik. Während der Geburt ertasten Hebammen die Rückbildung des Muttermundes, um die Geburt adäquat begleiten und voraussagen zu können. Zur genauen Beurteilung der Zervix ist jedoch eine Ultraschalluntersuchung erforderlich, diese kann mit entsprechenden Therapien wie der Progesteron-Substitution wirksam stabilisiert werden.
Bei entsprechender Diagnose oder Veranlagung können auch Bettruhe oder Arbeitsverbot geeignete Maßnahmen sein.
Genanalysen – per Abstrich oder Blutuntersuchung – können helfen, wiederholte Fehlgeburten zu vermeiden. Hier erstellt die Ärztin oder der Arzt ein sogenanntes Karyogramm (Chromosomenanalyse) von Mutter und Vater, um festzustellen, ob Genveränderungen bei einem Elternteil die Fehlgeburt verursachten. Paare mit bisher unerfülltem Kinderwunsch, bei denen Anomalien erkannt wurden, unterstützt daraufhin die Präimplantationsdiagnostik (PID): Hierbei werden die Eizellen außerhalb des Mutterleibes künstlich befruchtet, kontrolliert und nur die intakten Eizellen wiedereingesetzt.
Psychotherapien oder Sitzungen in Gesprächs- oder Selbsthilfegruppen können Frauen oder Paaren mit vorausgegangenen Fehlgeburten oder Risikoschwangerschaften therapeutisch begleiten, ihnen die Ängste nehmen und das Vertrauen stärken – sowohl in das Leben als auch in eine neue Schwangerschaft.
Fehlgeburten beenden das Leben, bevor es beginnt. Und sie verändern das Leben derer, die Leben geben wollten. Es gibt keinen allgemeinen Schutz gegen eine Fehlgeburt und die Gründe bleiben in vielen Fällen unklar. Eine Fehlgeburt bringt Schmerz, viele Fragen und vielleicht auch Angst, aber in manchen Fällen auch Hoffnung.
Eine Fehlgeburt kann immer und jeder Frau passieren. Quälen Sie sich nicht mit Schuldgefühlen und sprechen Sie über Ihre Trauer. Fehlgeburten sind kein Tabu-Thema mehr. Viele Prominente gehen in diesem Sinne voraus und teilen ihre Erfahrungen sogar öffentlich.
Holen Sie sich Unterstützung, sowohl von liebevollen Freunden als auch von professionellen, psychologischen Beratungsangeboten, anderen Betroffenen oder Selbsthilfegruppen. Eine offene und umfassende Verarbeitung dieses Erlebnisses ist auch eine Grundlage für eine positive Zukunft und eine neue Schwangerschaft.
Nehmen Sie würdig Abschied, trauern Sie in Ruhe, etablieren Sie trostgebende Rituale und bedenken Sie, dass Ihr Partner womöglich anderes trauert als Sie selbst.
Sprechen Sie mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen über Ihre Empfindungen und Sorgen, wenn Sie über eine erneute Schwangerschaft nachdenken und besonders wenn Sie wieder schwanger sind.
Ein dichtes Netz ärztlicher Vorsorgeuntersuchungen, wirksame medizinische Therapien der Fehlgeburtsprävention ebenso wie
begleiten riskante Schwangerschaften und helfen, das Fehlgeburtsrisiko zu senken und Leben zu erhalten.
Viele Fragen rund um Fehlgeburten sind ganz normal. Die folgenden Antworten greifen die häufigsten Unsicherheiten auf und geben Ihnen eine erste Orientierung, wie Sie das Fehlgeburtsrisiko senken können. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, können aber helfen, Zusammenhänge besser einzuordnen.
Von einer Fehlgeburt (Abort) spricht man, wenn eine Schwangerschaft endet, bevor das Kind lebensfähig ist, also vor der 24. Schwangerschaftswoche (SSW). Frühaborte passieren vor der 13. SSW, Spätaborte zwischen der 14. und 23. SSW.
Fehlgeburten sind leider nicht selten. 50 bis 70 Prozent passieren sehr früh und unbemerkt, noch bevor eine Schwangerschaft offiziell festgestellt wird. Von klinisch bestätigten Schwangerschaften enden etwa 12 bis 15 Prozent in einer Fehlgeburt.
Das Risiko ist in den ersten Wochen am größten und nimmt dann deutlich ab. Vor der 4. SSW sind viele Aborte unbemerkt, ab der 8. bis 9. Woche sinkt das Risiko auf etwa 9,4 Prozent und liegt ab der 10. Woche nur noch bei ungefähr 0,5 Prozent.
In rund 80 Prozent der „naturbedingten“ Frühaborte liegen Chromosomenstörungen beim Embryo vor. Der Körper bricht die Entwicklung dann nach einem biologischen „Alles-oder-nichts-Prinzip“ ab.
Die Ursachen sind vielfältig. Dazu zählen unter anderem genetische Auffälligkeiten, Einnistungsstörungen, Fehlbildungen oder Myome der Gebärmutter, Gelbkörperschwäche (Lutealphaseninsuffizienz), Infektionen, Gerinnungsstörungen, Autoimmunerkrankungen sowie hormonelle Störungen wie Schilddrüsendysfunktionen oder Diabetes.
Ein höheres Risiko kann z. B. bestehen bei vorausgegangenen Fehlgeburten, Mehrlingsschwangerschaften, höherem Alter der Mutter und des Vaters, bestimmten Medikamenten, Alkohol- oder Nikotinkonsum sowie starkem psychischem Stress.
Mögliche Warnzeichen sind starke Blutungen oder Schmierblutungen, Unterleibsschmerzen oder Ziehen, Rückenschmerzen und Fieber. Wichtig: Nicht jede Blutung bedeutet automatisch eine Fehlgeburt, sie sollte aber immer abgeklärt werden.
Gehen Sie bitte sofort zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder direkt ins Krankenhaus. Je früher abgeklärt wird, was hinter den Beschwerden steckt, desto besser kann gegebenenfalls reagiert werden.
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Sie können eine Fehlgeburt nicht vollständig vermeiden. Viele Ursachen liegen außerhalb Ihres Einflusses. Dennoch können ein gesunder Lebensstil, eine gute Versorgung mit Nährstoffen und eine engmaschige ärztliche Betreuung helfen, das Fehlgeburtsrisiko zu senken.
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Zur Abklärung gehören je nach Situation gynäkologische Untersuchungen, Ultraschall, Bluttests (zur Bestimmung von Werten für z. B. Progesteron, hCG, Schilddrüsenhormone, Gerinnungs-, Zuckerstoffwechsel- und Immunparameter) sowie Abstriche. Bei wiederholten Fehlgeburten können auch genetische Tests sinnvoll sein.
Eine Fehlgeburt ist körperlich und seelisch belastend. Geben Sie sich Zeit zu trauern und holen Sie sich Unterstützung, beispielsweise im privaten Umfeld oder durch psychologische Beratung bzw. Selbsthilfegruppen. Auch die ärztliche Nachsorge und ein Gespräch über eine mögliche nächste Schwangerschaft können Ihnen helfen, wieder Sicherheit zu finden.
Unser Selbsttest orientiert sich an den Empfehlungen von medizinischen Fachgesellschaften zur Anwendung von Progesteron, um das Risiko von Fehlgeburten zu reduzieren. Finden Sie jetzt heraus, ob eine Progesteronanwendung für Sie sinnvoll sein kann.