Progesteron ist für die Implantation des Embryos und den Erhalt der Schwan­ger­schaft essentiell. Zu niedrige Spiegel in der Frühphase werden für Frühaborte und Frühestaborte infolge einer Lutealinsuffizienz verantwortlich gemacht. Ein Abfall des Gelbkörperhormons ist an der Weheneinleitung beteiligt.

Das Gelbkörperhormon vermittelt über spezifische Rezeptoren in den Zielzellen eine Vielzahl genomischer und nicht-genomischer Wirkungen:

  • Progesteron reduziert die uterine Kontraktilität
  • Progesteron wirkt der Zervixreifung entgegen
  • Progesteron unterdrückt fetale Entzündungsreaktionen
  • Progesteron dämpft die Wirkung des Corticotropin-Releasing-Hormons
  • Progesteron erhöht die Rigidität der Zervix
  • Progesteron verbessert die utero-plazentare Zirkulation
  • Progesteron moduliert die maternale Immunreaktion auf den semiallogenen Fetus
  • Progesteron ist involviert in die Entwicklung von Nerven und die Prägung des Gehirns in der Fetalzeit

Einsatz bei Frühaborten

Unter den zahlreichen Ursachen für habituelle Aborte wird die Lutealinsuf­fizienz diskutiert. Bei Frauen mit bekannter habitueller Abortneigung ist die prophylaktische Gabe von Progesteron daher eine Behandlungsoption. Nachteilige Wirkungen auf den Schwangerschaftsverlauf oder den Embryo sind nicht zu erwarten.

Drohende Frühgeburt vermeiden

Frühgeburten sind die Hauptursachen für die perinatale Morbidität und Mortalität. Die langfristige prophylaktische Therapie mit Progesteron kann dieses kindliche Risiko bei Frauen mit vorangegangenen Frühgeburten oder Zervixverkürzung reduzieren, wie verschiedene Studien zeigten. Speziell bei verkürzter Zervix im zweiten Trimenon gilt: Je kürzer die Zervix und je früher diese Verkürzung auftritt, desto höher ist das Risiko für eine Frühgeburt. Der internationale Verband der Gynäkologen und Geburtshelfer (FIGO – International Federation of Gynecology and Obstetrics) und auch die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen Frauen mit einer sonografisch verkürzten Zervix (≤25 mm) im mittleren Trimester eine Behandlung mit vaginalem Progesteron anzubieten, um Frühgeburten und neonataler Morbidität vorzubeugen.

Eine Frühgeburt kann eine lebenslange Hypothek bedeuten. Bei Frauen mit vorangegangenen Frühgeburten oder verkürzter Zervix in der 20. bis 24. Schwangerschaftswoche (SSW) kann laut einigen Studien eine Behandlung mit natürlichem Progesteron dieses kindliche Risiko reduzieren. Wird bei der Zervixlängendiagnostik eine Verkürzung festgestellt, empfehlen deutsche Experten (Dudenhausen 2015), nationale (DGGG 2019) und internationale Gremien (FIGO 2015, SMFM 2017) die Gabe von Progesteron.

Vaginales Progesteron auch in der Schwangerschaft sicher

Ein wesentlicher Pluspunkt für den Einsatz von vaginalem Progesteron ist die Tatsache, dass es nach Einschätzung der britischen Arzneimittelbehörde MHRA und der US-amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin keine Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen oder Risiken für Schwangere oder Feten gibt.

Habituelle Aborte

Bei habituellen Aborten findet sich in mehr als einem Drittel bis zur Hälfte der Fälle keine Ursache. Das belastet die Patientinnen und die behandelnden Ärzte stark. Besondere Fürsorge (“tender loving care”) hilft in diesen Fällen nachweislich. In bestimmten Fällen auch Progesteron.

Habituelle Spontanaborte sind laut WHO definiert als drei oder mehr aufeinander folgende Spontanaborte vor der 20. Schwangerschaftswoche (SSW). In der Kinderwunschpraxis sind rund ein bis drei Prozent der Paare betroffen. Etwa zwei Drittel davon profitieren von der Behandlung beim Fertilitäts-Spezialisten und haben nach rund fünf Jahren ein gesundes Kind.

Bei vorzeitigen Wehen Zeit gewinnen

Nach der tokolytischen Therapie eingesetzt, gibt es Hinweise darauf, dass Progesteron in höhe­rer Dosierung die Zeit bis zur Entbindung verlängern kann. In einer Studie wurden z.B. nur halb so viele Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht geboren. Ein neonatales Atemwegsyndrom wurde signifikant seltener dokumentiert. Zudem konnte in der genannten Studie die Dosis an Wehenhemmern deutlich reduziert werden.