Der Progesteronspiegel verläuft abhängig vom Menstruationszyklus der Frau. Das bedeutet, der Progesteronwert verändert sich im Zyklusverlauf. Insbesondere das luteinisierende Hormon (LH) aus der Hirnanhangdrüse spielt dabei eine wichtige Rolle. Zunächst ist die Progesteronkonzentration in der 1. Zyklushälfte (Follikelphase) niedrig. Nachdem LH den Eisprung auslöst, bildet sich in der 2. Zyklushälfte (Lutealphase) der Gelbkörper (Corpus luteum). Dieser schüttet Progesteron aus. Dementsprechend steigt der Progesteronspiegel an. Gegen Ende der Lutealphase sinkt der Progesteronspiegel wieder und die Menstruation setzt ein. Hier erfahren Sie, welche Progesteronspiegel in der Norm liegen und wie der Arzt den Progesteron-Laborwert bestimmt.

Verlauf der Hormonspiegel (Progesteron, Estradiol, luteinisierendes Hormon) während des Menstruationszyklus.

Verlauf der Hormonspiegel (Progesteron, Estradiol, luteinisierendes Hormon) während des Menstruationszyklus.

Was sind die Normwerte von Progesteron?

In der folgenden Tabelle sind die Normwerte von Progesteron im Menstruationszyklus, bei einer Schwangerschaft und nach den Wechseljahren aufgeführt:

Tabelle: Normwerte von Progesteron im Leben einer Frau

Phase*Normwert in ng/ml
MenstruationszyklusFollikelphase0,2-1,5
Eisprung (Ovulation)0,8-3,0
Lutealphase1,7-27,0
Schwangerschaft1.-12. Schwangerschaftswoche10,0-50,0
13.-28. Schwangerschaftswoche20,0-130,0
29.-40. Schwangerschaftswoche130,0-260,0
Nach den Wechseljahren (Postmenopause)0,2-1,4
* Die Normwerte sind als Konzentration an Progesteron angegeben und variieren je nach Labor.

Geringe Progesteronkonzentrationen liegen in der 1. Zyklushälfte und nach den Wechseljahren (Postmenopause) vor. Hingegen ist der Progesteronspiegel in der Lutealphase hoch. Tritt eine Schwangerschaft ein, steigt die Konzentration an Progesteron weiter an. In der 2. Hälfte der Schwangerschaft übernimmt die Plazenta die Produktion von Progesteron. Sie produziert dann bis zu 10-mal mehr Progesteron als der Gelbkörper in der Lutealphase bildet. Dies verdeutlicht, dass offenbar ein hoher Progesteronspiegel notwendig ist, um eine Schwangerschaft zu unterstützen.

Progesteron wird ganz überwiegend im Gelbkörper (Corpus luteum) und dem Mutterkuchen (Plazenta) gebildet.

Konzentration von Progesteron im Schwangerschaftsverlauf

Hohe Progesteronspiegel sind notwendig, um eine Schwangerschaft zu unterstützen.

Wann bestimmt man das Gelbkörperhormon?

Der Progesteronwert wird vorwiegend bestimmt, um die Fruchtbarkeit der Frau zu untersuchen und die Schwangerschaft zu kontrollieren.

In der fruchtbaren Phase können Laborwerte, das heißt Progesteronwerte im Blutserum, dazu dienen, die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch und vaginale Blutungen abzuklären. Im Rahmen der Kinderwunschtherapie dient der Laborwert zum einen dazu, eine bestehende Gelbkörperschwäche (Corpus-luteum-Insuffizienz) zu diagnostizieren. Zum anderen kann der Arzt anhand des Progesteronspiegels die sogenannte ovarielle Stimulation überwachen. Diese ist bei der künstlichen Befruchtung häufig nötig. Außerdem nutzte man Progesteron, um eine Schwangerschaft zu bestätigen. Zum Nachweis der Schwangerschaft wird heute zunächst humanes Choriongonadotropin (hCG) im Urin bestimmt. Die Bestätigung einer vitalen Schwangerschaft erfolgt dann, indem der Arzt die fetale Herzaktion im Ultraschall nachweist.

Bei Schwangeren bestimmt der Arzt Progesteron in folgenden Fällen:

  • Kontrolle des Verlaufs der Schwangerschaft,
  • Verdacht auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (z. B. Eileiterschwangerschaft) und
  • Patientinnen mit vorausgegangenen Fehl- und Frühgeburten.

Wann wird Progesteron in den frühen Wechseljahren bestimmt?

Während der 1. Phase der Wechseljahre (Prämenopause) findet die Menstruation noch statt, aber nicht in jedem Zyklus kommt es zum Eisprung. In dieser Phase werden die Hormonspiegel von Progesteron und follikelstimulierendem Hormon (FSH) bestimmt, um zu testen, ob ein Eisprung stattgefunden hat. Das ist wichtig, wenn Frauen in der Prämenopause noch Kinder haben wollen.

Bestimmung von Progesteron in den Wechseljahren

Wie wird das Gelbkörperhormon bestimmt?

Generell gibt es unterschiedliche Progesterontests: Speicheltests und Bluttests. Die allermeisten Experten raten wegen unsicherer Messergebnisse strikt von Speicheltests ab. Beispielsweise schwankt der gemessene Wert je nach Zusammensetzung des Speichels der Frau. Progesteron wird vorwiegend aus dem Blutserum bestimmt. Da die Konzentration von Progesteron im Verlauf des Zyklus schwankt, muss für die Messung der Zyklustag bekannt sein. Anderenfalls kann man den gemessenen Wert nicht beurteilen.

Einen aussagekräftigen Progesteronwert misst der Arzt bis zu 7 Tage nach dem Eisprung. Daher erfolgt die Blutentnahme bei Frauen in der fruchtbaren Phase meist um den 20. Zyklustag herum. Die günstigste Tageszeit, um Progesteron zu bestimmen, liegt 4-5 Stunden nach dem Aufwachen.

Was gilt es bei der Bestimmung zu beachten?

Einige Medikamente verfälschen den Progesteronwert, wie zum Beispiel

  • synthetische Hormone (z. B. Anti-Baby-Pille oder Hormontherapie) oder
  • das Schmerzmittel Phenylbutazon1.

Nennen Sie Ihrem Arzt alle Medikamente, die Sie einnehmen. Damit gehen Sie sicher, dass Ihr Arzt die Höhe der gemessenen Konzentration besser interpretiert.

Neben Medikamenten verfälscht Vitamin B7 (Biotin) in hohen Dosen den Laborwert. Nehmen Sie mehr als 5 mg Biotin pro Tag ein? Um einen aussagekräftigen Progesteronwert zu erhalten, ist ein Abstand von mindestens 8 Stunden zwischen der letzten Biotin-Einnahme und der Blutentnahme nötig.

Wann ist der Progesteronspiegel erhöht?

Erhöhte Progesteronspiegel finden sich natürlicherweise während einer Schwangerschaft oder bei Vorliegen einer Erkrankung.

Krankhaft treten erhöhte Progesteronspiegel beispielsweise auf bei

  • seltenen Formen von Tumoren der Eierstöcke2,
  • Eierstockzysten,
  • Nichtrückbildung des Gelbkörpers (Zyklusstörung) oder
  • Überproduktion von Progesteron in der Nebennierenrinde (z. B. adrenogenitales Syndrom)3.

Auch die Anwendung Progesteron-haltiger Medikamente, wie im Rahmen der Kinderwunschtherapie, bewirkt einen erhöhten Progesteronspiegel.

Wann der Progesteronspiegel zu niedrig ist und was daraus folgt lesen sie hier.

Wie erhöht man den Progesteronspiegel?

Bei vielen Frauen mit Progesteronmangel und Kinderwunsch oder Frauen in den Wechseljahren ist die Gabe von Progesteron nötig. Es gibt verschiedene Progesteron-haltige Präparate, um den Progesteronspiegel zu erhöhen. Zur Auswahl stehen beispielsweise Kapseln und Gele, welche man vaginal oder oral anwendet. Je nach Ihrer Situation sucht der Arzt mit Ihnen ein für Sie passendes Präparat aus.

Referenzen

  1. Jaroszewski JJ, Markiewicz W, Maslanka TS, Skarzynski DJ. (2009). Influence of nonsteroidal anti-inflammatory drugs on progesterone production by cultured bovine luteal cells. Pol J Vet Sci. 12(3), pp. 305-10.
  2. Dawood MY. (1975). Serum progesterone and serum human chorionic gonadotropin in gestational and nongestational choriocarcinoma. Am J Obstet Gynecol. 123(7), pp. 762-5.
  3. Arlt W, Willis DS, Wild SH, et al. (2010). Health status of adults with congenital adrenal hyperplasia: a cohort study of 203 patients. The Journal of clinical endocrinology and metabolism. 95(11), pp. 5110-21.