Heutzutage gibt es aufgrund gewaltiger Fortschritte in der Kinderwunschbehandlung verschiedene Methoden, um Paare beim Erfüllen ihres Kinderwunsches zu unterstützen. Welche Methode für Sie infrage kommt, richtet sich nach der Ursache für die Kinderlosigkeit. Einige der Behandlungsmethoden sind aufwändig, auch finanziell, und können zudem insbesondere für die Frau belastend sein. Deshalb ist es immer wichtig, die Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen und die Entscheidung für oder wider eine Kinderwunschbehandlung als Paar gemeinsam zu fällen. Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den verschiedenen Möglichkeiten der Kinderwunschbehandlung.

Kinderwunschbehandlung

Eine Kinderwunschbehandlung benötigt viel Ausdauer und kann eine psychische Belastung darstellen. Die Entscheidung dafür oder dagegen sollte daher von beiden Partnern gemeinsam getragen werden.

Ab wann kommt eine Kinderwunschbehandlung für uns infrage?

Werden Sie innerhalb eines Jahres mit regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht schwanger, ist es empfehlenswert, ärztlichen Rat einzuholen. Bei Frauen über 32 Jahren ist es ratsam, den Arzt bereits nach sechs Monaten Wartezeit zu konsultieren, um die Ursachen zu klären. Denn die Chancen für eine Schwangerschaft nehmen mit steigendem Alter ab. Deshalb ist eine Kinderwunschbehandlung umso erfolgreicher, je früher sie erfolgt.

Was sind die ersten Behandlungsschritte?

Stehen die Ursachen für Ihre ungewollte Kinderlosigkeit fest, entscheiden Sie zusammen mit Ihrem Arzt über die Behandlung Ihrer Fruchtbarkeitsstörungen. Es ist nicht immer eine komplizierte und teure Behandlung nötig, damit Sie schwanger werden. Manchmal reicht ein Zyklusmonitoring aus. Dabei überwacht der Arzt den Zyklus der Frau, indem er die Hormonspiegel im Blut bestimmt und eine Ultraschalluntersuchung durchführt. Ist ein potentiell befruchtungsfähiges Ei vorhanden und die Gebärmutterschleimhaut gut aufgebaut, empfiehlt der Arzt dem Paar Geschlechtsverkehr zum optimalen Zeitpunkt.

In einigen Fällen ist es sinnvoll, Eizellreifung und Eisprung mit bestimmten Hormonen zu unterstützen. Diese Methode nennt man hormonelle Stimulation. Dabei ist eine sorgfältige medizinische Überwachung notwendig, um eine Überreaktion des Körpers (Überstimulation) zu kontrollieren. Auch ist die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft erhöht.

assistierte Reproduktion

Die assistierte Reproduktion bietet verschiedene Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung, wenn die Schwangerschaft auf natürlichem Weg ausbleibt.

Welche Arten künstlicher Befruchtung gibt es?

Wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ausbleibt, gibt es die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung. In der Fachsprache nennt man dies assistierte Reproduktion. Dieser geht meist eine Hormonbehandlung bei der Frau voraus, die den weiblichen Körper optimal auf die Behandlung vorbereitet. Nach der assistierten Reproduktion ist es oftmals notwendig, die Lutealphase mit Progesteron zu unterstützen, da die Behandlung regelmäßig eine sogenannte Lutealphaseninsuffizienz auslöst.

Intrauterine Insemination (IUI)

Intrauterine Insemination bedeutet die direkte Samenübertragung in die Gebärmutter (Uterus). Infrage kommt die Methode beispielsweise, wenn der Mann wenige oder träge Spermien produziert. Für die Behandlung gewinnt der Mann in der Regel die Spermien selbst durch Masturbation. Das Sperma wird dazu speziell aufbereitet. In der Phase um den Eisprung werden die Spermien über einen dünnen Schlauch in die Gebärmutter oder den Eileiter der Frau eingebracht. Oft geht dieser Insemination die hormonelle Stimulation der Frau voraus, die mit gewissen Risiken behaftet ist.

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Wörtlich übersetzt bedeutet In-vitro-Fertilisation „Befruchtung im (Reagenz-)Glas“. In der Praxis heißt das, dass Ei- und Samenzelle im Labor miteinander verschmolzen werden (Befruchtung). Die IVF kommt bei eingeschränkter Qualität des männlichen Samens sowie verschlossener Eileiter der Frau infrage.

Zunächst wird die Frau mit Hormonen behandelt. Hiernach entnimmt der Arzt die gereiften Eizellen aus dem Eierstock. Im Labor werden die Eizellen anschließend mit den aufbereiteten Spermien des Partners vermischt. Bis zu drei befruchtete Eizellen werden schließlich in die Gebärmutter der Frau übertragen; dies nennt man Embryonentransfer. Manchmal wartet man vor dem Transfer ab, bis sich die befruchtete Eizelle zu einer sogenannten Blastozyste entwickelt (Blastozystentransfer). Gemäß einiger Studien erhöhen sich dadurch die Chancen auf eine Schwangerschaft2,3. Andere Studien belegen dies jedoch nicht4,5.

Generell birgt eine IVF das Risiko einer Mehrlingsgeburt, wenn mehrere Eizellen übertragen werden. Außerdem besteht durch die vorausgehende Hormonstimulation der Frau das Risiko einer Überstimulation.

Louise Brown ist der erste Mensch, der durch eine IVF gezeugt wurde. Die Britin kam im Juli 1978 zur Welt1. In Deutschland wurde das erste Baby nach einer IVF im April 1982 geboren.

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Die ICSI-Methode ist eine weiterentwickelte IVF mit denselben Risiken für die Frau. Sie wird in etwa 2/3 der Kinderwunschbehandlungen in Deutschland angewendet. Diese Methode kommt vor allem infrage, wenn der Mann sehr wenige oder träge Spermien produziert und diese die Hülle der Eizelle nicht passieren können.

Wie bei der IVF werden die Eizellen der Frau nach der Hormonbehandlung entnommen und die Spermien des Mannes aufbereitet. Anschließend wird ein einzelnes Spermium mit einer dünnen Kanüle direkt in eine Eizelle injiziert. Bei gelungener Befruchtung werden bis zu drei Embryonen übertragen.

Testikuläre Spermienextraktion (TESE) und mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA)

Sind im Erguss des Mannes keine Spermien nachweisbar, ist es möglich, diese in einer Operation aus den Hoden (TESE) oder den Nebenhoden (MESA) zu gewinnen. Diese Eingriffe werden nur in speziellen Zentren durchgeführt und es bestehen die üblichen Risiken eines operativen Eingriffs. Die entnommenen Spermien werden aufbereitet und die Befruchtung erfolgt anschließend mittels ICSI.

Möchte ein Mann nach vorausgegangener Sterilisation (Vasektomie) Vater werden, ist dies durch TESE oder MESA erreichbar. Dennoch ist es empfehlenswert, vorab zu untersuchen, ob es möglich ist, die Vasektomie rückgängig zu machen.

Wie erfolgreich ist eine Kinderwunschbehandlung?

Wie erfolgreich eine Kinderwunschbehandlung ist, stellt das Deutsche IVF-Register seit 1982 dar. Die Auswertung der Daten nahezu aller Kinderwunschzentren in Deutschland ist hier zu finden. Dem Jahrbuch von 2017 zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit nach einem Embryonentransfer ein Kind zu gebären bei 22,5 %6. Dies verdeutlicht, dass bei den meisten Paaren eine Schwangerschaft nicht direkt nach dem ersten Versuch eintritt. Daher sind mehrere Anläufe bei der Kinderwunschbehandlung üblich. Eine Studie zeigt, dass sich die Chance auf ein Baby bei der IVF in jeder weiteren Runde bis zum 9. Versuch erhöht7. Demnach kann es lohnenswert sein, in weitere Versuche zu investieren. Dennoch entscheiden Sie als Paar, wie lange Sie die Behandlung durchführen möchten und ob oder wann Sie aufhören.

Insgesamt bestimmen viele Faktoren die Erfolgsaussichten der Kinderwunschbehandlung. Beispielsweise das Alter der Mutter, die Ursache für die Kinderlosigkeit sowie die seelische und gesundheitliche Verfassung des Paares. Besprechen Sie Ihre individuellen Chancen daher am besten mit Ihrem Behandlungsteam.

Referenzen

  1. Niederberger C, Pellicer A. (2018). Introduction: IVF’s 40th world birthday. Fertil Steril. 110(1), pp. 4.
  2. Fernandez-Shaw S, Cercas R, Brana C, Villas C, Pons I. (2015). Ongoing and cumulative pregnancy rate after cleavage-stage versus blastocyst-stage embryo transfer using vitrification for cryopreservation: impact of age on the results. J Assist Reprod Genet. 32(2), pp. 177-84.
  3. Papanikolaou EG, D’Haeseleer E, Verheyen G, et al. (2005). Live birth rate is significantly higher after blastocyst transfer than after cleavage-stage embryo transfer when at least four embryos are available on day 3 of embryo culture. A randomized prospective study. Hum Reprod. 20(11), pp. 3198-203.
  4. Emiliani S, Delbaere A, Vannin AS, et al. (2003). Similar delivery rates in a selected group of patients, for day 2 and day 5 embryos both cultured in sequential medium: a randomized study. Hum Reprod. 18(10), pp. 2145-50.
  5. Rienzi L, Ubaldi F, Iacobelli M, et al. (2002). Day 3 embryo transfer with combined evaluation at the pronuclear and cleavage stages compares favourably with day 5 blastocyst transfer. Hum Reprod. 17(7), pp. 1852-5.
  6. Deutsches IVF Register (DIR) e. V. (2018). DIR Jahrbuch 2017. J Reproduktionsmed Endokrinol.
  7. Smith ADAC, Tilling K, Nelson SM, Lawlor DA. (2015). Live-Birth Rate Associated With Repeat In Vitro Fertilization Treatment Cycles. JAMA. 314(24), pp. 2654-62.