Gelbkörperschwäche (Lutealphaseninsuffizienz) bedeutet, dass die 2. Zyklushälfte (Lutealphase) – der Zeitraum ab dem Eisprung bis zur Periode, wenn keine Befruchtung eintritt – verkürzt ist. Die Lutealphase ist dann kürzer als 10 Tage. In der 2. Zyklushälfte produziert der Gelbkörper das Hormon Progesteron. Bei einer Gelbkörperschwäche wird weniger Progesteron produziert und ein Progesteronmangel entsteht. Eine Lutealphaseninsuffizienz ist eine mögliche alleinige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch. Außerdem tritt sie im Rahmen der Kinderwunschbehandlung regelmäßig auf und sollte entsprechend behandelt werden. Lesen Sie hier mehr zur Lutealphaseninsuffizienz und wie man ihr entgegenwirkt.

Lutealphaseninsuffizienz

Eine Lutealphaseninsuffizienz führt zu einem Progesteronmangel und ist eine mögliche alleinige Ursache für unerfüllten Kinderwunsch. Aber auch im Rahmen der Kinderwunschbehandlung tritt regelmäßig eine mit Progesteron behandelbare Lutealphaseninsuffizienz auf.

Was ist die Lutealphase?

Die 2. Zyklushälfte im Menstruationszyklus ist die Gelbkörperphase beziehungsweise Lutealphase. In dieser Phase bildet der Gelbkörper das Hormon Progesteron. Neben anderen Funktionen bereitet Progesteron die Gebärmutter auf die mögliche Einnistung der befruchteten Eizelle vor.

Wie berechnet man die Dauer der Gelbkörperphase?

Die Lutealphase dauert generell 14 Tage an. Je nach individueller Zykluslänge der Frau schwankt die Dauer der Lutealphase zwischen 12 und 16 Tagen. Um die Länge Ihrer Gelbkörperphase zu berechnen, benötigen Sie Ihre Zykluslänge und den Tag des Eisprungs. Bei einer Zykluslänge von beispielsweise 29 Tagen und dem Eisprung an Zyklustag 16 ist die Lutealphase 13 Tage lang (29 – 16 = 13). Ist die Lutealphase kürzer als 10 Tage, liegt eine Lutealphaseninsuffizienz beziehungsweise Gelbkörperschwäche vor.

Was sind die Symptome und Ursachen einer Lutealphaseninsuffizienz?

Ein angemessener Progesteronspiegel ist wichtig, um schwanger zu werden und zu bleiben. Sind die Progesteronspiegel hingegen zu niedrig, ist die Einnistung und Versorgung der befruchteten Eizelle erschwert. Wenn Progesteron ganz fehlt, kann eine Schwangerschaft nicht entstehen und eine bestehende Schwangerschaft nicht erhalten werden.

Symptome einer Lutealphaseninsuffizienz mit Progesteronmangel sind beispielsweise

  • Prämenstruelles Syndrom (PMS),
  • Gewichtszunahme,
  • Wassereinlagerungen,
  • Schlafstörungen,
  • Haut- und Haarprobleme sowie
  • Zyklusstörungen.

Die Ursachen einer Lutealphaseninsuffizienz sind in vielen Fällen krankhaft. Beispiele sind das Polyzystische Ovarsyndrom (PCO-Syndrom), unterentwickelte Eierstöcke, eisprunglose Zyklen oder Störungen des Eisprungs. Andererseits besteht eine Lutealphaseninsuffizienz natürlicherweise während der Wechseljahre, wenn der Eisprung ausbleibt.

Im Falle einer Kinderwunschbehandlung mit hormoneller Stimulation tritt ebenfalls regelmäßig eine Lutealphaseninsuffizienz auf1. Denn durch die Gabe der Hormone bricht die Bildung von Progesteron früher ab als im regulären Zyklus. Demnach ist die Lutealphase dann kürzer.

Anteil vaginaler Progesterongabe Kinderwunsch

Kinderwunschzentren verabreichen Progesteron bei Lutealphaseninsuffizienz vor allem vaginal. Dies hat eine Befragung von 408 IVF-Zentren (IVF = In-vitro-Fertilisation) in 82 Ländern ergeben3.

 

Wie kann man die Lutealphaseninsuffizienz behandeln?

Im Rahmen der Kinderwunschbehandlung wird mit einem Gonadotropin (humanes Choriongonadotropin = hCG) der Gelbkörper unterstützt und so die Lutealphase verlängert. Allerdings verstärken hCG-Injektionen das Risiko für ovarielle Überstimulationen.

Andere medikamentöse Behandlungen richten sich nach der Ursache für die Funktionsschwäche des Gelbkörpers. Bei Krankheiten, wie dem PCO-Syndrom, wird zum Beispiel Metformin eingesetzt.

Insbesondere bei der Kinderwunschbehandlung hat sich natürliches Progesteron bewährt, um den Progesteronmangel zu beheben2. Das Hormon ist verfügbar in Form von

  • (Weich-)Kapseln,
  • Tabletten,
  • Gelen oder
  • Spritzen

Die Weichkapsel ist vaginal, also über die Scheide, einzuführen. Dies ist für viele Frauen angenehmer als beispielsweise eine Spritzenbehandlung. Nach einer Umfrage in Kinderwunschzentren wird Progesteron weltweit ganz überwiegend (94 %) vaginal verabreicht, um die Lutealphase nach einer künstlichen Befruchtung zu unterstützen3.

Humanes Choriongonadotropin wirkt genauso zuverlässig wie Progesteron. Allerdings besteht ein höheres Risiko für das sogenannte ovarielle Hyperstimulationssyndrom4. Daher wird die Frau nach der hormonellen Stimulation vorzugsweise mit Progesteron behandelt.

Referenzen

  1. Griesinger G, Meldrum D. (2018). Introduction: Management of the luteal phase in assisted reproductive technology. Fertil Steril. 109(5), pp. 747-8.
  2. Ludwig M, Diedrich K. (2001). Evaluation of an optimal luteal phase support protocol in IVF. Acta Obstet Gynecol Scand. 80(5), pp. 452-66.
  3. Vaisbuch E, de Ziegler D, Leong M, Weissman A, Shoham Z. (2014). Luteal-phase support in assisted reproduction treatment: real-life practices reported worldwide by an updated website-based survey. Reprod Biomed Online. 28(3), pp. 330-5.
  4. Ugur M, Yenicesu O, Ozcan S, Keles G, Gokmen O. (2001). A prospective randomized study comparing hCG, vaginal micronized progesterone and a combination regimen for luteal phase support in an in-vitro fertilization programme. Fertility and Sterility. 76(3), pp. 118.