Bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden gilt Progesteron als ein „stoffwechselneutrales“ Hormon

Anders als viele synthetische Gestagene vermindert Progesteron die Glukosetoleranz nicht. Es hat keinen ungünstigen Einfluss auf Blut­fette, Gerinnungs- und Entzündungs­parameter. Der Blutdruck wird in der Regel bei Gesunden nicht beeinflusst, bei Hypertonikern sogar eher vermindert. Bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden – dem Hauptindikationsgebiet von Progesteron – kommt es auf eine möglichst hohe Sicherheit der eingesetzten Hormone an. Dies gilt vor allem – aber nicht nur – bei Risikopatientinnen. Die physio­logischen Substanzen zeichnen sich dabei durch besondere Vorteile aus.

Stoffwechsel: Metabolische Nebenwirkungen minimieren

Ge­nerell gilt der Grundsatz, die niedrigste wirksame Dosis zu wählen. Bei Estra­diol ist über die transdermale Gabe der Einfluss auf das Gerinnungssystem – und damit das Thromboserisiko – zu minimie­ren. Nach französischen Studien ist dabei auch der Typ des Gestagens wichtig: Mikro­nisiertes Proge­ste­ron wirkt neutral, im Unterschied zu Norpregnanen wie Nomegestrolactetat, für die eine Erhöhung des Thromboserisikos gezeigt wurde. Medroxyprogesteronacetat (MPA) scheint ebenfalls das durch orale Estrogene erhöhte Risiko für venöse Thrombosen weiter zu steigern. Bei den Gestagenen sind stoffwechselneutrale Präparate zu bevorzugen. Dies gilt ins­besondere bei vaskulären Problemen, bei denen der vasodila­tierende Effekt der Estrogene durch bestimmte synthetische Gestagene antagonisiert werden kann.

Neutrale Wirkung auf Blutdruck und Gefäßfunktion

Für Progesteron ist sowohl bei oraler als auch vaginaler Gabe bei gesunden post­menopausalen Frauen eine neutrale Wirkung auf den Blutdruck belegt. Bei Hypertonikerinnen resultierte in einer kleinen Studie sogar dosisabhängig eine leichte Blutdrucksenkung. Sie wird vermittelt über die antagonistische Wirkung von Progesteron am Mineralokortikoid-Rezeptor. Mikronisiertes Progesteron beeinträchtigt nicht die vasodilatierenden Effekte der Estrogene am Gefäßendothel: vaskuläre Reaktivität und arterielle Compliance blei­ben erhalten.

„Gutes“ HDL-Cholesterin fällt nicht ab

Auch bei der Wirkung auf die Plasmalipide wird das Gelbkörperhormon als neutral eingestuft. Anders als bei einigen synthetischen Gestagenen fällt das durch Estrogene erhöhte HDL-Cholesterin unter Progesteron nicht wieder ab. Progesteron besitzt zudem keine proinflammatorischen Eigenschaften. Beides sind wichtige Gesichtspunkte bei arteriosklerotischen Vorgängen.

Glukosestoffwechsel und Körpergewicht

Als Zusatznutzen der Hormontherapie mit oralen Estrogenen ist eine signifikant ge­senkte Anzahl von Neuerkrankungen an Diabetes mellitus gesichert. In der E3N-EPIC-Studie ist dies auch bei transdermaler Estradiolgabe gezeigt worden. Für diesen Effekt scheint allerdings die Wahl des Gestagens wichtig: Bei Kombination mit synthetischen Gestagenen wie Norethisteronacetat (NETA) ergibt sich dosisabhängig ein nachteiliger Effekt auf den Glukosestoffwechsel. In der PEPI-Studie hatte die Kombination von oralen Estrogenen und Proge­steron einen geringeren Effekt auf die orale Glukosetoleranz im Vergleich zur Kombination mit Medroxyprogesteronacetat (MPA).

Die Befürchtung vieler Frauen, unter einer Hormontherapie verstärkt an Gewicht zu­zunehmen, ist durch eine Reihe von Studien widerlegt. In der PEPI-Studie nahmen die Frauen unter Hormontherapie weniger zu als die Frauen in der Kontrollgruppe ohne Hormone. Dies galt auch für den Behandlungsarm mit oralen Estrogenen und mikronisiertem Progesteron.

Hypertonie

Jüngere Frauen haben seltener eine Hypertonie als gleichalte Männer. Etwa ab dem 60. Lebensjahr kommt jedoch ein Bluthochdruck bei Frauen häufiger vor als bei Männern. Eine Hypertonie ist als Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen anerkannt. Ist eine Hormontherapie indiziert, sind Nutzen und Risiken besonders sorgfältig abzuwägen. Zu bevorzugen sind niedrig dosierte Estroge­ne in blutdruckneutraler Kombination, etwa mit Progesteron.

Osteoporose

Die kombinierte Hormontherapie bei Frauen in den Wechseljahren vermindert das Risiko einer Osteoporose erheblich. Auch Knochenfrakturen werden signifikant reduziert. Der Schutz wird in erster Linie von Estrogenen bewirkt. Aber auch Progesteron kann vermutlich die Skelett-Physiologie positiv beeinflussen.

Die Verbindung von Progesteron mit der Knochendichte ist noch nicht völlig entschlüsselt. Der Vergleich von ovulatorischen und anovulatorischen Zyklen bildete die Grundlage für die Hypothese: Unter den höheren Pro­ge­steronspiegeln in der Lutealphase ovulatorischer Zyklen resultierte eine verstärkte Knochen­bildung und ein verminderter Knochenabbau. Bei anovulatorischen Zyklen oder verkürzter Lutealphase nahm laut einer Meta-Analyse die Knochendichte hingegen um 0,7% pro Jahr ab.

Dabei ist nicht klar, ob und in wieweit Progesteron per se die Zunahme der Kno­chen­dichte ver­mit­telt. Der luteale Progesteronanstieg könnte auch ein Marker sein für Mecha­nismen, die mit der Ovulation zusammenhängen und die Physiologie des Skeletts beeinflussen.