Die physiologischen Funktionen des Progesterons hängen eng mit der Fortpflanzung zusammen. Sie setzen an Vagina, Zervix, Endometrium, Myometrium, den Brustdrüsen und dem zentralen Nervensystem an, um eine Schwangerschaft zu etablieren und zu unterhalten. Auf allen verschiedenen Ebenen des reproduktiven Geschehens ist Progesteron als zentraler Mitspieler involviert.

Im Zusammenspiel mit Estrogenen ist Progesteron an der Aus­rei­fung der Eizelle im Ovar beteiligt. Nach der estrogenbedingten Wachstumsphase ist Progesteron entscheidend für die Vorbereitung des Endometriums auf die Implantation. Das Gelbkörperhormon sichert gemeinsam mit anderen Faktoren nicht nur die Vor­be­reitung des Uterus auf eine Schwan­gerschaft, sondern auch deren Erhalt.

Progesteron macht als Sexualhormon Spermien „Beine“

Progesteron hilft dabei den Samenzellen quasi auf die Sprünge: Die Spermatozoen weisen einen nicht-genomischen Progesteron-Rezeptor auf. Dieser führt synergistisch oder direkt über einen Ionenkanal (CatSper-Kanal) via Kalziumeinstrom zur Hyperaktivierung der Samenzellen. Sie finden dadurch leichter den Weg zur Eizelle und können besser in die Zona pellucida eindringen.

Sekretorische Umwandlung des Endometriums

Im Endometrium wirkt Progesteron – ebenso wie im Ovar – nur in Synergie mit Estro­genen: Diese induzieren die Progeste­ron-Rezeptoren. Sie sind unabdingbar für die sekretorische Umwandlung, ohne die eine Implantation nicht möglich ist.

Kontraktionen des Myometriums gehemmt

Mit der Ein­nistung des Embryos beginnt eine wesentliche Aufgabe des Pro­geste­rons: Der Erhalt der Schwangerschaft. Das Gelbkörperhormon stellt den Uterus „ruhig“, d.h. es hemmt die Kontraktionen des Myometriums. Deshalb wird das Hormon im Rah­men der assistierten Reproduktion meist bis zur achten bis zwölften Woche weiter appli­ziert.

Regulation der Basaltemperatur

Zu den zentralen Wirkungen des Gelbkörperhormons zählt die positive und negative Rückkoppelung innerhalb der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse. Zudem beeinflusst Progesteron die zentrale Regulation der Körpertemperatur: Das Hormon bewirkt die geringe Erhöhung der Basaltemperatur während der postovulatorischen Phase des Zyklus.

Progesteron stützt die Lutealphase bei Kinderwunschbehandlungen

Nach einer multifollikulären ovariellen Stimulation im Rahmen der assistierten Reproduktion ist die Lutealphase gestört. Deshalb erfolgt die Lutealphasenunterstützung mit mikronisiertem Pro­ge­steron routinemäßig, wobei sich die vaginale Gabe bewährt hat. Damit sind im Endometrium höhere Hormonspiegel als bei oraler oder intramuskulärer Gabe zu erreichen.

Prophylaxe wiederholter Früh- und Fehlgeburten

Bevor die Placenta die Progesteron-Produktion übernimmt, ist das Hormon aus dem Corpus luteum der wesentliche Faktor bei der Aufrechterhaltung der Schwanger­schaft. Bei habituellen Aborten, die auf eine Lutealinsuffizienz zurückzuführen sein könnten, ist die Proge­steron­gabe eine häufig praktizierte Form der Prophylaxe. Etabliert ist außerdem eine Progesterontherapie in der späteren Schwanger­schaft bei Risiko-Patientinnen mit wiederholten Frühgeburten oder einer verkürzten Zervix.

Sicherer Schutz des Endometriums bei Hormontherapie

Im Rahmen der kombinierten Hormontherapie ist bei Frauen mit Gebärmutter der Schutz des Endometriums durch die Gabe von Gestagenen über 12 bis 14 Tage allgemein akzeptiert. Für mikronisiertes Progesteron ist ein sicherer Schutz vor Endo­metrium-Hyperplasien nachgewiesen.

Differenzierung der Brustdrüsen

In der Brust ist Progesteron – neben Estrogenen und anderen Hormonen – erforderlich für die normale Entwicklung in der Pubertät und die Differenzierung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Ein Synergismus zwischen den Sexualhormonen der Frau induziert die Diffe­ren­zierung der Brustdrüse. Estrogene sind für das Wachstum und die Ver­zweigung des Drüsengangsystems zuständig. Die Ausbildung des lobulo­al­veo­lären Systems erfordert Progesteron. Mit Abschluss der Pubertät ist zwar die maximale Anzahl der Drüsenläppchen (Lobuli) erreicht. Ihre volle Entfaltung erreichen sie erst nach einer Schwangerschaft mit an­schlie­ßender Stillzeit.

Während der ersten Hälfte der Schwangerschaft proliferiert das alveoläre Epithel und die Entwicklung des Gangsystems wird gefördert. In der zweiten Hälfte der Gravidität erfolgt vor allem die Differenzierung des Drüsenepithels.

Progesteron bei essentieller zyklischer Mastodynie

Bei vielen Frauen sind Brustspannen und ödematöse Schwellungen eine relativ häufige Beschwerde. Treten die Symptome regelmäßig vor der Periode auf, ist eine transdermale Therapie mit Progesteron-Gel zu erwägen. Der Ausgleich des relativen Progesteron-Defizits und damit die „Dämpfung“ der hohen Estradiolwerte lindert oder be­hebt Schmerzen und Spannungsgefühle in der Brust.