Die Funktionen des Geschlechtshormons Progesteron hängen eng mit der Fortpflanzung zusammen. So wirkt Progesteron auf die Spermien, die Gebärmutter (Uterus), die Brustdrüsen und das zentrale Nervensystem. Die Hauptfunktion des Hormons besteht darin, eine Schwangerschaft zu ermöglichen und aufrechtzuerhalten. Daher spielt Progesteron eine zentrale Rolle auf allen Ebenen der Fortpflanzung und bei der Kinderwunschbehandlung. Was sind die wichtigsten Wirkungen, die dieses Schwangerschaftshormon auf das weibliche Fortpflanzungssystem hat?

Progesteron Wirkung auf Fortpflanzung

Progesteron ist vor allem dafür verantwortlich, eine Schwangerschaft zu ermöglichen und aufrechtzuerhalten.

Welche Geschlechtshormone regulieren Zyklus und Eisprung?

Mit Beginn der Pubertät schüttet der Körper vermehrt die folgenden Sexualhormone aus:

  • follikelstimulierendes Hormon (FSH),
  • luteinisierendes Hormon (LH),
  • Östrogen und
  • Progesteron.

Diese regulieren im Zusammenspiel den Menstruationszyklus. Deshalb bezeichnet man diese auch als Zyklushormone.

Üblicherweise steigt das Östrogen im Menstruationszyklus etwa 12 bis 16 Tage vor der nächsten Periode an. Dieser hohe Östrogenspiegel regt die Hirnanhangdrüse an, das Hormon LH auszuschütten. Das LH löst dann den Eisprung aus. Die Eizelle wandert anschließend in den Eileiter und ist für etwa 24 Stunden befruchtungsfähig.

Progesteron macht den Spermien „Beine“

Untersuchungen zufolge weist Progesteron den Spermien den Weg zur befruchtungsfähigen Eizelle1. Die Spermien besitzen nämlich Andockstellen für Progesteron, die sogenannten Progesteron-Rezeptoren. Sobald Progesteron daran andockt, strömt Kalzium in die Samenzelle. Dadurch wird die Schwimmrichtung des Spermiums gesteuert und die Bewegungen des Schwanzes werden stärker. Demnach schwimmt das Spermium schneller. Je näher das Spermium der Eizelle kommt, desto höher ist seine Geschwindigkeit. Das liegt an der dort vorliegenden hohen Konzentration an Progesteron. Jedes Spermium bringt all seine Kraft auf, um als erstes anzukommen und die Eizelle zu befruchten.

Was ist der Hauptwirkort von Progesteron?

Das Zyklushormon Progesteron hilft dabei, – im Zusammenspiel mit Östradiol – Blutgefäße, Drüsen und Zellen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in der Lutealphase zu aktivieren. Dies nennt man sekretorische Transformation. Nur nach einem solchen Umbau der Gebärmutterschleimhaut kann sich eine befruchtete Eizelle einnisten und ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden.

Tritt keine Schwangerschaft ein, bewirkt der sinkende Progesteronspiegel, dass die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird und die Regelblutung einsetzt.

Neben dem Endometrium wirkt Progesteron auch an weiteren Stellen der Gebärmutter: an der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium) und dem Gebärmutterhals (Zervix). Daran wird deutlich, dass die Gebärmutter der Hauptwirkort von Progesteron ist.

Nistet sich der Embryo in die Gebärmutterschleimhaut ein, beginnt eine der wesentlichen Aufgaben des Progesterons: der Erhalt der Schwangerschaft. Dafür stellt das Gelbkörperhormon den Uterus „ruhig“. So verhindert es das Auftreten von Wehen, also von Muskelanspannungen des Myometriums. Aufgrund dieser Wirkung erhalten Frauen im Rahmen der assistierten Reproduktion Progesteron oft bis zur 12. Schwangerschaftswoche.

Frauen, deren Gebärmutterhals sich während der Schwangerschaft vorzeitig verkürzt, profitieren ebenfalls von Progesteron. Aufgrund des verkürzten Gebärmutterhalses besteht die Gefahr, dass sich der Muttermund vorzeitig öffnet und es zu einer Frühgeburt kommt. Studien hierzu belegen, dass bei Gabe von Progesteron im 2. und 3. Schwangerschaftsdrittel weniger Frühgeburten auftreten2-4. Auch eine Leitlinie der Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe der deutschsprachigen Länder empfiehlt den Einsatz von vaginalem Progesteron bei verkürztem Gebärmutterhals5.

Progesteron wirkt auf die Gebärmutter

Die Gebärmutter ist der wichtigste Wirkort von Progesteron.

Progesteron schützt die Gebärmutter bei der Hormontherapie

Viele Frauen in den Wechseljahren erhalten eine Hormontherapie, um Wechseljahresbeschwerden, wie Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen, zu lindern. Die dabei verabreichten Östrogene regen allerdings das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut an, eine sogenannte Endometriumhyperplasie kann entstehen. In der Folge steigt das Risiko für Gebärmutterkörperkrebs. Durch Progesteron wird das Wachstum der Schleimhaut jedoch verhindert. Bei Einsatz von mikronisiertem Progesteron bestätigen Studien den sicheren Schutz der Gebärmutter6-8.

Wie wirkt Progesteron auf die Brust?

Progesteron ist neben Östrogen und anderen Hormonen essentiell für die Gesundheit der weiblichen Brust in den verschiedenen Lebensphasen. Die Hormone sind in der Pubertät für das Brustwachstum erforderlich. In der Schwangerschaft und Stillzeit sorgt Progesteron in der Brust für das Wachstum der Milchdrüsen. Daher wird die Brust insgesamt größer. Mit Beginn der Wechseljahre sinkt der Hormonspiegel und die Brustdrüsen bilden sich zurück. Hingegen steigt der Anteil an Fett- und Bindegewebe in der Brust. Insgesamt nimmt die Brustdichte ab, d. h. die Brust erschlafft.

Progesteron wirkt auf die Brustdrüsen ein

Progesteron führt auch in der Brust verschiedene Funktionen aus, z. B. fördert es das Wachstum der Milchdrüsen in der Schwangerschaft.

Auswirkung auf die Brustdichte durch Progesteron bei der Hormontherapie

Erfolgt bei Wechseljahresbeschwerden eine Hormontherapie, nimmt die Brustdichte bei der kombinierten Therapie mit fast allen synthetischen Gestagenen zu. Hohe Brustdichten sind mit einem leicht erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden9. Eine Studie zeigt, dass auch natürliches, mikronisiertes Progesteron die Dichte des Brustgewebes erhöht. In dieser Studie erhielten die Frauen allerdings das natürliche Progesteron in Kombination mit oralen Stutenöstrogenen10,11.

Hingegen zeigt eine andere Studie, dass sich die Brustdichte unter Therapie mit über die Haut verabreichtem Östradiol und mikronisiertem Progesteron nur schwach erhöht12,13.

Progesteron bei Brustschmerzen

Bei vielen jungen Frauen sind Brustspannen und Schwellungen (Mastodynie) relativ häufige Symptome des prämenstruellen Syndroms (PMS). Treten die Beschwerden regelmäßig vor der Periode auf, hilft es oftmals, ein Progesteron-Gel auf die Haut aufzutragen. Der Ausgleich des Progesteronmangels und damit die „Dämpfung“ von Östradiol lindert oder behebt Schmerzen und Spannungsgefühle in der Brust.

Referenzen

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