Die neuroprotektiven, neurotropen und promyelinisierenden Effekte von Progesteron eröffnen Perspektiven für den Schutz von Nerven. So ist die Behandlung mit Progesteron bei einem Schädel-Hirn-Trauma Gegenstand intensiver klinischer Forschung.

Die pleiotropen Wirkungen von Progesteron und seinen direkten Metaboliten im Nervensystem sind in verschiedenen Tiermodellen gut erforscht. In zahlreichen Versuchen beim experimentell geschädigten oder aber erkrankten Nervensystem wurden neuroprotektive Effekte dokumentiert. Mehr als 180 Publikationen zur präklinischen Forschung beschreiben den positiven Effekt von Progesteron auf eine Vielzahl neuronaler Verletzungen. Als besonders vorteilhaft bei traumatischen Läsionen erwies sich das breite therapeutische Fenster.

Duale Wirkung bei Protektion und Regeneration von Nervengewebe

Progesteron vermittelt die neuroprotektiven Effekte und fördert die Neuroregeneration vermutlich auf zwei verschiedenen Wegen: einer direkten lebensverlängernden Wirkung auf Neuronen einerseits und der akzelerierten Bildung neuer Myelinscheiden andererseits. Intensiv klinisch beforscht wurde der Einsatz von Progesteron in der Notfallmedizin bei der Akuttherapie des Schädel-Hirn-Traumas. Grundlage für den Einsatz bei dieser Indikation waren die Ergebnisse bei experimentellen ZNS-Läsionen im Nagermodell: Progesteron schützt und stabilisiert die Blut-Hirn-Schranke und wirkt der Ausbreitung des zerebralen Ödems entgegen. Der neuroprotektive Effekt wird auf antioxidative Eigenschaften, die Verstärkung der GABA-Wirkung, eine verminderte Lipidperoxidation und die Hemmung proinflammatorischer Zytokine zurückgeführt.

Hoffnungen bei Schädel-Hirn-Trauma enttäuscht

In zwei Phase-II-Studien wurde der Effekt einer Therapie mit natürlichem Progesteron nach Schädel-Hirn-Trauma evaluiert. In den USA erhielten 100 Patienten mit überwiegend schweren Formen über drei Tage kontinuierlich intravenös Progesteron. Nach 30 Tagen wurde bei moderaten Fällen ein besseres funktionelles Ergebnis, bei schweren Fällen eine reduzierte Mortalität beschrieben. Eine reduzierte Mortalität und ein besserer neurologischer Outcome zeigten sich bei 159 chinesischen Patienten nach einem Follow-up von sechs Monaten. Hier wurde Progesteron alle zwölf Stunden über fünf aufeinanderfolgende Tage intramuskulär injiziert.