Bei Frauen mit Epilepsie können hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen. Wenn sich Anfälle trotz antiepileptischer Medikation jeweils um die Zeit der Monatsblutung verstärken (perimenstruelle Anfallshäufung), wirkt Progesteron laut einer Studie anfallshemmend. Bei bestimmten Epilepsie-Erkrankungen schwankt die Anfallshäufigkeit im Menstruationszyklus (katameniale Anfälle). Nicht selten kommt es zu einer Anfallshäufung in der zweiten Zyklushälfte, insbesondere vor der Menstruation.

Progesteron wirkt anfallshemmend

Tierexperimentell und in klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Sexualsteroide und ihre Metabolite die Erregbarkeit des zentralen Nervensystems (ZNS) beeinflussen: Estro­genen wird eine anfallsfördernde Wirkung zugeschrieben. Progesteron weist eine eher anfallshemmende Wirkung auf. Die antikonvulsive Wirkung des Progesterons scheint in erster Linie auf dem neuroaktiven Metaboliten Allopregnanolon zu beruhen.

Behandlungsversuche mit Progesteron bei katamenialer Epilepsie

In einer offenen Studie mit 25 prämenopausalen Frauen, die trotz bestmöglicher Therapie mit Antiepileptika weiter fokale oder sekundär generalisierende Anfälle erlitten, verminderte die orale Behandlung mit Progesteron bei 72 Prozent (17 Frauen) die Anfallshäufigkeit um mehr als 50 Prozent. Der Effekt wuchs bei längerdauernder Behandlung. In einer großen placebokontrollierten Studie (NIH Progesterone Treatment Trial) mit 294 Frauen in einem durchschnittlichen Alter von 32 Jahren zeigte die zyklische Verabreichung von Progesteron in hoher Dosierung über 14 Tage keinen generellen Effekt. Jedoch ergab sich auch hier eine Anfallsreduktion mit Progesteron in der perimenstruellen Phase (Tag −3 to +3) bei den Frauen, die vor der Monatsblutung eine erhebliche Verstärkung der Epilepsie-Aktivität erlitten.

In der Hormonersatztherapie kann die transdermale Verabreichung von Estradiol und die Verwendung von natürlichem Progesteron einen relevanten Nutzen und zusätzliche Sicherheit bieten.


L’Hermite M, Simoncini T, Fuller S, Genazzani AR. Could transdermal estradiol + progesterone be a safer postmenopausal HRT? A review. Maturitas. 2008; 60:185-201.

Synthetische Gestagene zyklisch angewandt nicht effektiv

Die zyklische Anwendung synthetischer Gestagene hat sich in kleinen Studien als nicht effektiv erwiesen. Dies beruht möglicherweise darauf, dass synthetische Gestagene nicht zu neuroaktiven Metaboliten umgewandelt werden, so die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin in einer Stellungnahme. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass beispielsweise hochdosiertes Medroxyprogesteronacetat aufgrund der Suppression der zyklusassoziierten hormonellen Schwankungen eine Rolle bei periovulatorisch verstärkter Anfallshäufigkeit hat.