Die zentrale Funktion von Progesteron ist die Vorbereitung des Uterus auf eine Schwangerschaft und der Erhalt der Gravidität. Progesteron-Rezeptoren sind – neben Ovar und Uterus – in zahlreichen Organsystemen vorhanden. Dies erklärt die vielfältigen Wirkungen des Gelbkörperhormons.

Wirkung auf reproduktive Organe

Die Zielorgane von Progesteron sind vor allem die Geschlechtsorgane. Im hormonellen Zyklus bewirkt das Gelbkörperhormon die Transformation zum sekretorischen Endometrium. Progesteron „lockt“ im Eileiter die Spermatozoen zur befruchtungsfähigen Eizelle und ermöglicht die Implantation der Eizellen im Endometrium. Die Schwangerschaft wird durch Progesteron aus dem Corpus luteum aufrechterhalten, bis die Placenta diese Funktion übernimmt.

Differenzierung der Brustdrüsen

Progesteron ist an der Entwicklung der Brustdrüsen beteiligt. Das Gelbkörperhormon fördert die lobulär-alveolare Entwicklung, insbesondere die terminale Differenzierung in der Schwangerschaft in Vorbereitung auf die Laktation. Progesteron supprimiert die Synthese der Milchproteine vor der Entbindung.

Zentralnervöse Wirkungen

Über neuroaktive Metaboliten, die bei der ersten Leberpassage entstehen, beeinflusst das Gelbkörperhormon die Psyche. Mit der abendlichen oralen Gabe von Progesteron wird die sedierende Wirkung bei klimakterischen Frauen mit Einschlafproblemen genutzt.
Für die Familienplanung praktisch wichtig ist die Stimulation des Wärmezentrums im Hypothalamus: Progesteron steigert über neuroaktive Metabolite die Körpertemperatur um 0,4 bis 0,6 Grad Celsius. Dieses Phänomen wird bei der Messung der Basaltemperaturkurve genutzt. Der Anstieg der morgendlichen Temperatur liefert einen guten Hinweis dazu, ob es sich um einen ovulatorischen Zyklus handelt. Ovulation passiert 1-3 Tage vor dem Temperaturanstieg. Etwa 3-5% aller Frauen reagieren nicht oder nur wenig thermogen auf Progesteron.

Neuroprotektion und -regeneration

Das zentrale Nervensystem ist ein wichtiges Zielorgan für Progesteron. Die vielfältigen Effekte reichen von der anxiolytischen und sedierenden Wirkung bis zur Neu­ropro­tek­tion und – über promyelinisierende Effekte – zu Neuroregeneration. Die neuroaktiven Metabolite modulieren vielfätige Gehirnfunktionen: Belohnungsverhalten, Stressreaktionen, Stimmung, Kognition. In Tiermodellen beeinflusst Progesteron das Sexualverhalten. Beim Menschen sind Erkenntnisse hierzu limitiert.

Sicherer Partner in der Hormontherapie

In der Hormontherapie wird Progesteron als Kombinationspartner von Estradiol unter anderem wegen seiner gefäß- und stoffwechselneutralen Wirkung bevorzugt eingesetzt. Dies bietet – nicht nur – bei Risiko-Patientinnen eine höhere Sicherheit. Progesteron schmälert nicht die positiven Effekte des Estradiols auf Gefäße. Es verändert die Glukosetoleranz nicht negativ wie viele synthetische Gestagene. Das trifft auch auf den Lipidstoffwechsel zu.

Von Vorteil können auch die antimineralokortikoiden Eigenschaften des Progesterons bei der urinären Natrium-Ausscheidung sein. Die verminderte Reabsorption in den Nierentubuli kann eine milde diuretischen Wirkung zur Folge haben. Am Knochen wirkt Progesteron synergistisch mit Estrogenen und stimuliert Osteoblasten.