Progesteron ist als Sexualhormon der prominenteste Vertreter der Gestagene – Steroide mit einem Pregnan-Grundgerüst. Aus Cholesterin gebildet, entsteht zunächst das Zwischenprodukt Pregnenolon, welches dann zu Progesteron umgewandelt wird. Aus Progesteron kann dann als Ausgangsstoff für die Bildung von Testosteron oder der Mineralo- und Glukokortikoide in der Nebennierenrinde dienen. Weitere natürliche Gestagene sind 17α-Hydroxyprogesteron, Pregnandiol und Pregnenolon.

Herstellung aus Vorstufen in Pflanzen

Wilder Yams

Wilder Yams

Natürliches Progesteron wird nur im menschlichen und tierischen Organismus gebildet. Progesteron wurde deshalb zunächst aus trächtigen Tieren isoliert. Später gelang die Synthese des reinen Hormons aus dem Pflanzenstoff Diosgenin.
Diosgenin und ähnliche Ausgangssubstanzen finden sich in größeren Mengen in der wilden Yamswurzel und der Sojabohne. Der menschliche Organismus kann diese Ausgangssubstanzen nicht in Progesteron umwandeln, da entsprechende Enzyme fehlen. Die Synthese erfolgt deshalb in verschiedenen Schritten im Labor.
Das so hergestellte Progesteron ist identisch mit dem physiologischen Gelbkörperhormon Progesteron. In der klinischen Anwendung waren zunächst allerdings sehr hohe orale Dosen notwendig, um biologische Effekte zu erzielen. Denn nach oraler Applikation wird natürliches Progesteron schlecht resorbiert und zudem in der Leber rasch metabolisiert. Um dieses Problem zu lösen, schlugen die Wissenschaftler zwei unterschiedliche Wege ein:

Synthese von Gestagen-Derivaten

Einerseits wurden Veränderungen im Grundgerüst und/oder den Seitenketten des Progesteron-Moleküls vorgenommen. Oder Androgen-Abkömmlinge wurden so umgewandelt, dass sie gestagene Effekte auslösten. Das Ziel bei der Entwicklung dieser synthetischen Substanzen war eine erhöhte Aktivität bei oraler Gabe. Ihr Wirkspektrum ist untereinander und mit dem des Progesterons nicht identisch.

Mikronisierung bringt Durchbruch

Der zweite, erfolgreiche Weg führte über die Galenik: Durch die Mikronisierung der Substanzpartikel wurde eine verbesserte Resorption ermöglicht. Seit 1980 steht mit mikronisiertem, natürlichem Progesteron eine orale Therapieform zur Verfügung. Mikronisiertes Progesteron kann zudem vaginal angewandt werden. Mit der vaginalen Gabe ist im Endometrium und Uterus gezielt und schnell eine hohe Konzentration des Wirkstoffs zu erreichen.
Um die natürlichen Gestagene von den synthetischen Hormonen zu unterscheiden, werden letztere auch als „Progestine“ oder „Progestagene“ bezeichnet.