Progesteron wirkt nur in Synergismus mit Estrogenen: In den meisten Geweben werden die Progesteron-Rezeptoren durch Estrogene induziert. Als Gegenspieler besitzt Progesteron eine antiestrogene Wirkung. Ausschlaggebend ist die zeitliche Balance.

Wie wichtig das zeitgerechte Zusammenspiel zwischen beiden Sexualhormonen ist, demonstriert das Mausmodell. Ist der Progesteron-Rezeptor nicht vorhanden (PR-Knockout Maus), kommt es bei ovarektomierten Mäusen nach Gabe von Estradiol plus Progesteron zu einer Endometriumhyperplasie mit glandulärer Hypertrophie.

Im Rahmen der Hormontherapie schützt die Zugabe von Progesteron oder Gestagenen Frauen mit Uterus und intaktem Progesteronrezeptor vor den proliferativen Veränderungen durch Estrogene. Die alleinige Estrogenzufuhr hingegen führt bei nicht hysterektomierten Frauen zur Hyperplasie des Endometriums und leistet malignen Veränderungen Vorschub.

In der Hormonersatztherapie kann die transdermale Verabreichung von Estradiol und die Verwendung von natürlichem Progesteron einen relevanten Nutzen und zusätzliche Sicherheit bieten.


L’Hermite M, Simoncini T, Fuller S, Genazzani AR. Could transdermal estradiol + progesterone be a safer postmenopausal HRT? A review. Maturitas. 2008; 60:185-201.

Progesteron und Estrogen: Sexualhormone unter „gegenseitiger Kontrolle“

Die Expression der Progesteron-Rezeptoren steht unter der Kontrolle von Estrogenen. Diese modulieren die Sensitivität. Progesteron wiederum hemmt die Expression der Estrogen-Rezeptoren und die Induktion vieler estrogeninduzierter Gene.

In hohen Konzentrationen ausgeschüttet, reguliert Progesteron andererseits seine eigenen Rezeptoren gewebespezifisch herunter. So nimmt die Rezeptordichte im Uterus bei hohen Progesteronspiegeln ab. In der Brust dagegen wird während der Lutealphase kein Abfall der Progesteron-Rezeptoren beobachtet.

Balance im Endometrium

Im ovulatorischen Zyklus baut sich das Endometrium unter dem Einfluss der Estrogene proliferativ auf. In der Lutealphase bewirkt Progesteron die sekretorische Transformation.

Die Progesteronproduktion in der Lutealphase ist essenziell für den Aufbau eines rezeptiven Endometriums.


Hess AP, Krüssel JS, Schanz A. Lutealphase – endometriale Rezeptivität und Embryoimplantation. Gynäkol Endokrinol. 2008; 6:147-53

Entscheidend für die Hemmung der estrogen-stimulierten Proliferation und die sekretorische Transformation ist die Stimulation der Progesteronbildung durch LH zu Beginn der Lutealphase. Die sekretorische Umwandlung ist kritisch für die Implantation der befruchteten Eizelle. Bei nicht zeitgerechten, zu niedrigen, möglicherweise aber auch zu hohen Progesteronspiegeln erfolgt keine Implantation.

Bleibt eine Schwangerschaft aus, wird das Corpus Luteum nicht vom Trophoblasten gestützt und stellt seine Funktion ein. Der konsekutive Abfall der Sexualhormone bewirkt die Abblutung der funktionellen Schicht des Endometriums.

Zusammenspiel in der Brust

Über die molekularbiologischen Zusammenhänge in der Brust ist weit weniger bekannt. Estrogene fördern das Wachstum, Progesteron die Differenzierung der lobulär-alveolaren Strukturen. Das Gelbkörperhormon soll zudem eine Rolle spielen in der zyklischen Proliferation.

Seit den großen Studien zur Hormontherapie ist klar, dass die Kombination mit synthetischen Gestagenen das Brustkrebsrisiko steigert. Mikronisiertes Progesteron scheint hier eine höhere Sicherheit zu gewähren.