Der antiovulatorische Effekt von Gestagenen ist die Basis der hormonalen Kontrazeption. Bei der oralen Verhütung werden synthetische Gestagene eingesetzt.

Das nicht mikronisierte Progesteron wird im Gastrointestinaltrakt und in der Leber sehr rasch metabolisiert und konnte deshalb nicht zur Kontrazeption eingesetzt werden. Deshalb wurden synthetische Gestagene entwickelt – chemisch modifizierte Steroide, die nach oraler Applikation nur langsam abgebaut werden. Prinzipiell handelt es sich um Derivate des Progesterons oder aber des Nortestosterons.

Ovulation über Suppression der Gonadotropine gehemmt

Gemeinsam ist diesen synthetischen Produkten – in Kombination mit Ethinylestradiol oder Estradiol – die ovulationshemmende Wirkung. Sie kommt zustande über die zeit- und dosisabhängige Suppression der basalen Sekretion der Gonadotropine. Der mittzyklische LH-Anstieg und damit die Ovulation bleiben infolge einer negativen Rückkoppelung im hormonellen Regelkreis aus. Durch die verminderten FSH-Spiegel in der Follikelphase kommt es zu einer gestörten Reifung der Follikel. Auch eine direkte Hemmung der ovariellen Steroidsynthese durch die Wirkstoffe der Pille kann an der Ovulationshemmung beteiligt sein. Kombinierte orale Kontrazeptiva und die reine Gestagenpille verändern zusätzlich den Zervixschleim und erschweren damit den Spermatozoen den Weg zur Eizelle. Sie verändern das Endometrium und erschweren zusätzlich die Nidation. Die Strukturverwandtschaft der Androgen-, Progesteron-, Gluko- und Mineralokortikoid-Rezeptoren ist die Basis für die unterschiedlichen Partialwirkungen der synthetischen Gestagene.

Abbau in der Leber mit Nebenwirkungen

Die Cytochrom-P-450-Enzyme haben eine Schlüsselfunktion bei der Biotransformation der körpereigenen und exogen zugeführten Steroide. Hierauf beruhen einerseits Interaktionen mit Medikamenten. Andererseits werden eine Reihe von Proteinen und Enzymen beeinflusst, die in der Leber gebildet werden: So kann es zu veränderten Plasmalipiden kommen und auch zu der erhöhten Thrombosegefahr unter der Pille.