Bei assistierter Reproduktion ist ein Lutealsupport mit Progesteron sicher und gut verträglich. Kapseln sind dabei mindestens so effektiv wie eine Gelform. Gleichzeitig sind sie patientenfreundlicher als eine intramuskuläre Injektion.

Progesteron vs. hCG: Halbiertes Risiko für Überstimulation

Die Unterstützung der Lutealphase ist ein kritischer Punkt bei der in-vitro-Fertilisation (IVF) und verwandten Techniken der assistierten Reproduktion. Wenn viele Eizellen gewonnen wurden, besteht bei der Gabe von humanem Choriongonadotropin (hCG) die Gefahr einer Überstimulation mit schweren Formen eines ovariellen Hyperstimulations-Syndrom (OHSS). Diese Gefahr ist bei der Gabe von Progesteron sehr viel geringer, wie eine Metaanalyse des Cochrane Instituts ausweist. Eine weitere Analyse mit über 1.000 Patientinnen zeigte hinsichtlich der Schwangerschaftsraten keinen Unterschied zwischen hCG und Progesteron, jedoch ein auf mehr als die Hälfte vermindertes OHSS-Risiko unter Progesteron.

Die Progesteronproduktion in der Lutealphase ist essenziell für den Aufbau eines rezeptiven Endometriums.


Hess AP, Krüssel JS, Schanz A. Lutealphase – endometriale Rezeptivität und Embryoimplantation. Gynäkol Endokrinol. 2008; 6:147-53

Vaginalkapseln anwenderfreundlich

Die vaginale Applikation ist zum einen anwenderfreundlicher als die intramuskuläre Gabe und erfreut sich allein dadurch einer höheren Akzeptanz. Zum anderen nutzt diese Form den intrauterinen First-Pass-Effekt, durch den am Zielort – dem Endometrium – höhere Konzentrationen als bei intramuskulärer Gabe erzielt werden. Dies könnte einen Einfluss auf die Schwangerschaftsraten haben.

Pharmakokinetische Variablen für intravaginales Progesteron bei der Verwendung einer Vaginal-Kapsel bzw. eines Vaginal-Gels
VariableStatistische KenngrößeVaginal-Kapsel
(200 mg Progesteron)
Vaginal-Gel
(90 mg Progesteron)
N2323
T max [h]Median35.5310.00
AUC ∂0-tz 1) [ng/ml*h]Geometrisches Mittel252.5173.0
C ∂max 1) [ng/ml]Geometrisches Mittel6.646.43

1) Die mit ∂ gekennzeicneten Variablen und t½ wurden auf Basis der „Nettokonzentrationen“ berechnet.

Schwangerschaftsraten bei vaginaler versus intramuskulärer Gabe

Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit insgesamt 262 Frauen weist für die vaginale Gabe von 600 mg/die Progesteron eine deutlich höhere Rate an fortlaufenden Schwangerschaften pro Embryotransfer aus als beim Einsatz von 50 mg/die intramuskulär (30,5 versus 19,1 Prozent).

Mindestens so wirksam wie ein Gel

Bestätigt wurde die gute Wirkung von Progesteron-Kapseln in einer multizentrischen randomisierten Vergleichsstudie mit einem vaginalen Progesteron-Gel: Bei 285 Patientinnen resultierten nach täglicher Applikation von 90 mg Progesteron als Gel oder aber 200 mg Progesteron als Vaginalkapseln dreimal täglich vergleichbare Schwangerschaftsraten (33,1 bzw. 30,9 Prozent).

Als mindestens ebenso effektiv schnitten die Kapseln auch gegenüber der doppelten Tagesdosis des Gels ab: In einer randomisierten Studie mit 430 Patientinnen zeigte sich bei der Kapselform sogar ein Trend zu etwas höheren fortlaufenden Schwangerschaftsraten in der zwölften Woche mit 25,2 versus 22,2 Prozent. Die Abortraten waren zudem geringfügig niedriger (18,2 versus 19,1 Prozent).

Eine Metaanalyse bestätigt die vergleichbar gute Wirksamkeit der beiden vaginalen Anwendungsformen.