Progesteron wird oral, parenteral (intramuskulär, subkutan), vaginal und transdermal angewandt. In der klinischen Anwendung können bestimmte Applikationsform bei bestimmten Indikationen von Vorteil sein.

Orales Progesteron wirkt nur mikronisiert

Bei oraler Anwendung wird ein beträchtlicher Teil des natürlichen Progesterons rasch verstoffwechselt, ohne das periphere Blut zu erreichen. Erst die stabile Mikronisierung sorgte für eine gute Resorption.

Die orale Form wird prämenopausal zur Therapie der Gelbkörperschwäche eingesetzt.

Progesteron ist das wichtigste weibliche Geschlechtshormon während der letzten zwei Wochen des Menstruationszyklus. Es ist für das Überleben des befruchteten Eies, des Embryos und des Fötus während der ganzen Schwangerschaft notwendig.

Lee JR. Natural progesterone – the multiple roles of a remarkable hormone. 2nd edition. Jon Carpenter, Charlbury. 1999.

Bei postmenopausalen Frauen mit intaktem Uterus bewirkt orales Progesteron in Kombination mit Estrogenen bei der Hormontherapie den Schutz des Endometriums vor Hyperplasien und Karzinomen.

Bei klimakterischen Frauen mit Schlafstörungen erleichtert die abendliche Gabe das Einschlafen und sorgt für einen besseren Schlaf im ersten Drittel der Nachtruhe.

Intramuskuläre Gabe

Die intramuskuläre Proge­steron-Applikation wird vor allem in den USA bei drohender Frühgeburt alternativ zur vaginalen Applikation angewandt.
Dort werden Progesteron-Injektionen auch im Rahmen der Kinderwunschtherapie eingesetzt. Sie dienen dabei zur Unterstützung der gestörten Lutealphase in stimulierten Zyklen der assistierten Reproduktion. Die parenterale Gabe führt zu hohen und reproduzierbaren Blutspiegeln. Sie kann aber insbesondere bei wiederholter Anwendung mit einer verminderten Akzeptanz durch lokale Schmerzen und Gewebsreaktionen verbunden sein.

Die vaginale Applikation von Progesteron ist Goldstandard bei der Lutealphasenunterstützung nach ovarieller Stimulation.


Kleinstein J, Brössner AB. Lutealphase nach ovarieller Stimulation und Lutealphasensubstitution. Gynäkol Endokrinol. 2008; 6:160-4.

Vaginales Progesteron zum Lutealsupport bei assistierter Reproduktion

Weltweit hat sich jedoch bei dieser Indikation die vor allem die vaginale Applikation durchgesetzt. Sie ist vergleichbar effektiv, was die Schwangerschaftsraten betrifft. Verglichen mit der intramuskulären Gabe wurde in einer Studie die Zahl der Fehlgeburten signifikant reduziert. Vaginalkapseln (200 mg 3x täglich) erwiesen sich in zwei weiteren Studien als so wirksam wie ein vaginal eingesetztes Gel (90 mg ein- oder zweimal täglich).

Pharmakokinetische Variablen für intravaginales Progesteron bei der Verwendung einer Vaginal-Kassel bzw. eines Vaginal-Gels
VariableStatische KenngrößeVaginal-Kapsel
(200mg Progesteron)
Vaginal-Gel
(90mg Progesteron)
N2323
Tmax [h]Median35.5310.00
AUCδ0-tz1) [ng/ml*h]Geometrisches Mittel252.5173.0
Cδmax1) [ng/ml]Geometrisches Mittel6.646.43
1) Die mit δ gekennzeichneten Variablen und t½ wurden auf Basis der „Nettokonzentrationen“ berechnet.

Hohe Bioverfügbarkeit im Zielorgan

Vaginal appliziertes Progesteron wird im Uterus angereichert und führt trotz im Vergleich zu Injektionen niedrigen Serumkonzentrationen zu einer guten sekretorischen Umwandlung des Endometriums. Der Grund ist die hohe Bioverfügbarkeit im Uterus durch den „first-uterine-pass-effect“.

Die peripheren Blutspiegel erreichen nach intramuskulärer Injektion von 100 mg Progesteron zwar Werte von durchschnittlich 70 ng/ml und damit weit höhere Konzentrationen als nach intravaginaler Progesteron-Anwendung. Der Progesteron-Gehalt im Zielorgan – dem Endometrium – liegt nach vaginaler Progesteron-Applikation aber deutlich höher als nach der intramuskulären Gabe.

Bei jungen Frauen mit Ovarialinsuffizienz resultierten nach vaginaler Anwendung unterschiedlicher Progesteron-Dosierungen (45, 90 und 180 mg) in allen drei Gruppen relativ niedrige Serumspiegel. Im Endometrium dagegen wurden relativ hohe Konzentrationen nachgewiesen. Das Gewebe reagierte mit einer vollständigen sekretorischen Transformation.

Der größte Fortschritt in der Frühgeburtsprävention des letzten Jahrzehnts ist die Einführung der Progesteronsubstitution.

Schleußner E: Drohende Frühgeburt: Prävention, Diagnostik und Therapie. Dtsch Ärztebl Int. 2013; 110(13):227-36.

Diese Ergebnisse werden durch in-vitro-Studien an exstirpierten Uteri gestützt. Hier wurde ein selektiver Transport von Progesteron über die Wand von Scheide und Zervix in das Myo- und Endometrium nachwiesen. Dieser first-uterine-pass-effect bewirkt bei vaginaler Anwendung von Progesteron eine hohe Bioverfügbarkeit im Uterus.

Transdermales Progesteron bei zyklusabhängiger Mastodynie

Transdermales Progesteron hat einen festen Platz in der Therapie prämenstrueller Syndrome, die durch einen relativen Estrogen-Überschuss oder lokalen Progesteronmangel bedingt sind. So bessert das Progesteron-Gel die Beschwerden bei zyklusabhängigen Mastodynien zuverlässig.