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Sedierende Wirkung

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Der stärkste zentralnervöse Effekt des Progesterons ist seine sedierende Wirkung. Frauenärzte nutzen diese Wirkung bei perimenopausalen Frauen mit Einschlaf­problemen, die einer der kombinierten Hormontherapie bedürfen und verordnen die abendliche Einnahme von mikronisiertem Progesteron.

Rund die Hälfte der Frauen schlafen nach eigenen Angaben während des Klimakteriums und danach nicht gut. Sie klagen über Einschlafprobleme und wieder­holtes Auf­wachen. Wenn nächtliche vasomotorische Symp­tome für die Schlafstörungen verant­wort­lich sind, ist eine Hormontherapie nach dem Empfinden der Betroffenen oft hochwirksam. Bei hysterektomierten Frauen sind subjektive und objektive Verbesserungen des Schlafs sowie die Linderung vasomo­torischer, somatischer und psychischer Symp­tome durch transdermales Estrogen und konjugierte Estrogene publiziert. Bei Frauen mit intakter Gebärmutter wirkt sich auch die Art des Kombinations­part­ners aus, wenn die Hormontherapie zusätzlich Schlafstörungen lindern soll. Nur aus dem natürlichen Progesteron – aber nicht aus synthetischen Gestagenen – kann der Körper Metabolite bilden, die neuroaktiv sind.

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Natürliches Progesteron als Kombinationspartner

Die sedierende Wirkung des oralen Progesterons ist gut belegt. Optimal zu nutzen ist er, wenn die Einnahme kurz oder unmittelbar vor der Nachtruhe erfolgt. Diese posi­tive Wirkung, die erfah­rene Frauenärzte seit geraumer Zeit nutzen, wird durch eine Unter­su­chung des Münchener Max-Planck-Insti­tutes für Psy­chiatrie mit objektiven Daten unter­mauert.

Wachzeiten im ersten Drittel der Nachtruhe um ein Drittel vermindert

Bei dieser Studie unterzogen sich zehn gesunde postmenopausale Frauen im Alter zwi­schen 54 und 70 Jahren einer detaillierten Untersuchung im Schlaf­labor. Die Pro­bandinnen nahmen über drei Wochen vor der Nachtruhe jeweils 300 mg Pro­geste­ron oral ein, dann unterzogen sie sich einer Polysom­nographie. Als Vergleich diente die Messung der entsprechenden Schlafparameter nach einer abend­lichen Einnah­me von Placebo.

Das Ergebnis überzeugte die Münchener Experten: Im Vergleich wurde nach der Progesteronbehandlung eine signifikant verminderte Wachzeit festgestellt: Dies war im ersten Drittel des Nachtschlafes besonders stark ausgeprägt mit einer Reduktion um 30 Prozent (Grafik Seite 37 wiss. Information). Auch die Übergänge zwischen Schlaf- und Wachzeiten nahmen unter Progeste­ron zeitlich signifikant ab. Der Effekt des natür­lichen Hormons war in der ersten Nachthälfte am ausge­prägtesten.

Intervalle des REM-Schlafs nehmen zu ohne morgendlichen „overhang“

Überrascht waren die Psychiater von der Beobachtung, dass die Intervalle des REM-Schlafes nicht – wie bei einem Benzodiazepin-ähnlichen Effekt zu er­war­ten – vermin­dert wurden. Im ersten Drittel der Nacht wurde vielmehr eine signifi­kan­te Zunahme dieser Phasen objektiviert.
Es resultierte auch kein „overhang“: Am nächsten Morgen zeigten die entspre­chen­den Tests keinerlei Beeinträchtigung des Wachzustandes und der kognitiven Leistungen.

Progesteron als physiologischer Regulator des Schlafes

In einer ähnlich angelegten belgischen Studie mit acht gesunden postmenopausalen Frauen hatten abendliche orale Dosen von 300 mg/die Pro­gesteron keinen Effekt bei ungestörter Nachtruhe, jedoch waren Schlafdauer und Schlafqualität bei durch Umweltbedingungen gestörten Schlaf unter Progesteron wesentlich weniger beeinträchtigt als unter Placebo. Die Autoren sahen dies als Hinweis darauf, dass Progesteron im Unterschied zu üblichen Benzodiazepin-ähnlichen Schlafmitteln als physiologischer Regulator des Schlafs wirkt.

Schlüsselsubstanzen: Neuroaktive Metaboliten

Diese klinischen Befunde stimmen mit experimentellen Erkenntnissen überein: Hier waren als Grundlage für die sedie­renden Effekte von Progesteron Wech­sel­wirkungen am GABAA-Benzo­diazepin-Rezeptorkomplex gezeigt worden. Diese wiederum setzen nach heutigem Wissen eine Metabolisierung von Progesteron zu Neurosteroiden wie Allopregnanolon voraus, die im zentralen Nervensystem wirksam sind. Da synthe­ti­sche Gestagene nicht in diese Neurosteroide umgewandelt werden, erklärt sich der fehlende schlaffördernde Effekt einer Kombination aus konjugierten Estrogenen und Medroxyprogesteronacetat (MPA) oder der zyklischen Kombination mit Norgestrel.

Einschlafprobleme: Gesicherter Zusatznutzen bei Kombination mit oralem Progesteron

Für die Praxis wiederum bedeutet dies: Wenn eine Hormontherapie indiziert ist und die Patientin über Ein- und Durch­schlaf-Störungen klagt, ist von der Kombi­nation mit natürlichem Progesteron ein klarer Zusatznutzen zu erwarten.

Der Behandlungserfolg ist abhängig
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