Merkliste

0 Artikel auf der Merkliste

  • Sie haben noch keine Artikel auf Ihrer Merkliste

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Loading

Progesteron wirkt nicht nur auf Uterus und Ovarien. Auch das Zentrale Nerven­system (ZNS) ist ein wichtiges Zielorgan. Die Effekte sind vielfältig und reichen von anxiolytischer und sedierender Wirkung bis zur Neuroprotektion und – über promye­linisierende Effekte – zu Neuroregeneration.

Progesteron und seine neuroaktiven Metabolite modulieren viele Gehirn­funk­­tionen: Belohnungsverhalten, Stressreaktionen, Stimmung, Kognition, Neuro­protektion. Zu­mindest in Tiermodellen beeinflusst das Gelbkörperhormon die Em­pfänglichkeit für sexuelle Reize. Beim Menschen sind Erkenntnisse hierzu limitiert.

Progesteron und ZNS: Sedierende Wirkung durch abendliche Gabe nutzen

Der sedierende Effekt von Progesteron ist bekannt. Frauenärzte nutzen dies bei der kombinierten Hormontherapie: Die abendliche Gabe verkürzt bei Frauen mit Schlaf­problemen die Einschlafzeiten und die Wachzeiten im ersten Drittel der Nachtruhe. Die sedierende und anxiolytische Wir­kung wird hauptsächlich über den neuroaktiven Metaboliten Allopreganolon vermit­telt. Dieses Neurosteroid scheint auch für antide­pressive und antipsychotische Effek­te verantwortlich zu sein. Progesteron wird bei Stimmungsstörungen im Zusammenhang mit einem prämenstruellen Syndrom oder bei Wochenbett-Depressionen eingesetzt.

Das ZNS und Progesteron

Neuer Ansatz bei Angst und Depression mit Neurosteroiden?

Die sedierende Wirkung von Progesteron ist bekannt. Durch den Einsatz von Neurosteroiden, die sich vom Progesteron ableiten, erhoffen sich Forscher jedoch auch neue Ansätze bei Depression, Angst und anderen psychiatrischen Erkrankungen. Bei depressiven Patienten ist ein Ungleichgewicht zwischen Allopregnanolol und anderen Neurosteroiden beschrieben. Auch bei Angststörungen existieren Hinweise auf die modulierende Wirkung neuroaktiver Steroide. Die sedierende und anxiolytische Wirkung von Progesteron auf das ZNS wird wahrscheinlich über agonistische oder modulierende Effekte am GABA-A-Benzodiazepin-Rezeptorkomplex ent­faltet.

Neuroaktive Progesteron-Derivate als Anxiolytika?

Die neuroaktiven Metabolite sind im Visier der Forscher, die nach verträglicheren Anxiolytika suchen. Sie erhoffen sich deutlich weniger unerwünschte Wirkungen als bei klassischen Anxiolytika. Erste Ergebnisse sind positiv. Vom Progesteron abgeleitete Neurosteroide sind auch wichtige endogene Modula­toren der Stimmung. Sie stellen damit eine mögliche Basis für die Entwicklung neuer Medikamente gegen affektive Störungen dar.

Neuronale Protektion und Remyelinisierung

Progesteron besitzt erheblichen Einfluss auf strukturelle Veränderungen des ZNS. Es vermittelt neuroprotektive Effekte und fördert die Neuroregene­ra­tion. Beides geschieht vermutlich über verschiedene Wege: einer direkten le­bens­verlän­gern­den Wirkung auf Neuronen einerseits und der akzelerierten Bildung neuer Mye­lin­­schei­den andererseits. Zudem vermitteln die Neurosteroide ihre Wir­kung offenbar unterschiedlich im normalen, verletzten und geal­ter­ten Nervenge­webe. Mehr als 180 Publikationen zur präklinischen Forschung beschreiben den positiven Effekt von Progesteron auf eine Vielzahl neuronaler Verletzungen. In experimentellen Modellen fördert Progesteron die Lebensdauer von Neuronen nach Verletzung. Auch bei degenerativen Prozessen scheint die neuroprotektive Wirkung vorteilhaft.

Einsatz bei Schädel-Hirn-Trauma wird geprüft

Intensiv klinisch beforscht wird derzeit der Einsatz von Progesteron in der Notfall­me­di­zin. Bei der Akuttherapie des Schädel-Hirn-Traumas legen erste klinische Daten einen Überlebensvorteil und eine neurologische Verbesserung nahe – ohne negati­ve Begleiteffekte. Für eine Phase-III-Studie wer­den in den USA derzeit 1.140 Patienten rekrutiert.

Pleiotrope neuroprotektive Effekte vom Progesteron

  • Reduktion der neuronalen Erregbarkeit
  • Reduktion von Gehirnödemen
  • Verminderung von oxidativem Stress und Lipid-Peroxidation
  • Antiinflammatorische Wirkung
  • Regulation von Proteinen, die in die Koagulation involviert sind
  • Regulation von Genen, die an mitochonadrialen Apoptosewegen beteiligt sind
  • Umkehrung von posttraumatischen Veränderungen der mitochondrialen Respiration

Potenzielle Rolle bei Raucherentwöhnung?

Neuroaktive Metabolite des Progesterons interagieren mit vielen Rezeptoren in Ge­hirn. Neben dem GABAa-Rezeptor unter anderem auch mit den nikotinischen Acetyl­cholin­rezeptoren. In kleineren Studien wurde unter Progesteron ein reduziertes Ver­langen nach Nikotin beschrieben. Ein Team in den USA spekuliert deshalb über eine Rolle bei der Raucherentwöhnung von Frauen.

Wir möchten gerne mehr über Sie erfahren!

Um unsere Inhalte und Services zu verbessern, bitten wir Sie um Ihre Unterstützung. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben!
Sie surfen auf unseren Seiten weiterhin anonym.

Nur eine Frage: Sind Sie …?