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Natürliches Progesteron vs. synthetische Gestagene

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Natürliches Progesteron wird relativ rasch in der Leber verstoffwechselt. Zur sicheren Hemmung der Ovulation wurden synthetische Gestagene mit langer Halbwertzeit entwickelt. In der Hormontherapie dagegen hat mikronisiertes Progesteron aufgrund der höheren Sicherheit einen festen Platz.

Lange Zeit wurden die synthetischen Gestagene wegen ihrer höheren Potenz bei oraler Applikation als vorrangig eingestuft. Das Wirkspektrum der einzelnen Vertreter ist weder untereinander noch mit demjenigen des Progesterons identisch. Einige weisen spezifische – teils erwünschte, teils unerwünschte – Begleitwirkungen auf. Sie können estrogene, androgene oder anabole Restwirkungen haben, die Regulation der Körpertemperatur beeinflussen, antiandrogene Effekte besitzen oder auch als Aldosteron-Antagonisten wirken.

Vergleich natürliches Progesteron / synthetische Gestagene**

progesteron-infografik

Die derzeit eingesetzten synthetischen Gestagene leiten sich von Nortestosteron oder aber Progesteron ab.
Synthetische Gestagene werden zur Kontrazeption in der Antibabypille in Kombination mit Estrogenen oder als Monotherapie eingesetzt. Auch langwirkende Alternativen wie die Dreimonatsspritze oder Implantate enthalten als Wirkstoff synthetische Gestagene. Zusätzlich sind sie als Kombinationspartner von Estrogenen in Präparaten zur Hormontherapie klimakterischer Beschwerden enthalten.
Progesteron als natürliches Gestagen wird medizinisch vor allem in fünf Gebieten klinisch genutzt:

  • zur Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause in Kombination mit Estrogenen
  • bei prämenopausalem Progesteronmangel (Corpus-luteum-Insuffizienz /Gelbkörperschwäche)
  • in der Kinderwunschbehandlung: zur Therapie einer Corpus-luteum-Insuffizienz und zur Unterstützung der Lutealphase in stimulierten Zyklen bei assistierter Reproduktion
  • zum Erhalt einer gefährdeten Schwangerschaft und zur Prävention von Frühgeburten
  • zur Behandlung der Mastodynie und gutartiger Brusterkrankungen

Wesentliche Unterschiede bei den Eigenschaften

Spätestens seit den großen Studien zur Hormontherapie aus den USA, England und Frankreich ist nicht nur die Hormontherapie per se in die Diskussion geraten. Sie eröffneten auch den Diskurs darüber, ob alle Gestagene über einen Kamm zu scheren sind und ob die Wahl des Estrogens und speziell die Applikationsart zur höheren Sicherheit beitragen können.
Eine wichtige Erkenntnis aus der komplexen Women´s Health Initiative (WHI) betraf die Gestagenkomponente: Sie steigert mit der Dauer der Anwendung das Brustkrebsrisiko.

Sicherer an der Brust

Dass dabei die Art des Gestagens eine Rolle spielen dürfte, legt die französische Kohortenstudie E3N nahe: Über die Dauer von fünf Jahren hat sich die Kombination von transdermalem Estradiol mit Progesteron als nachweislich sicherer erwiesen als die Verbindung von oralen Estrogenen mit synthetischen Gestagenen.

Wissenschaftlich untermauert wird der unterschiedliche Einfluss auf das Brustepithel durch Studien am renommierten Karolinska-Institut in Stockholm: In vitro und in vivo vermindert Progesteron proliferative Effekte von Estrogenen auf das Brustgewebe.

Vorteil bei Thromboserisiko und kardiovaskulärem System

Das Thromboserisiko ist zwar in erster Linie von der Prädisposition und der Estrogendosis abhängig. Nach französischen Untersuchungen dürfte jedoch auch der Gestagenkomponente eine Rolle zukommen: „Transdermales Estrogen alleine oder in Kombination mit natürlichem Progesteron scheint im Hinblick auf das thrombotische Risiko sicherer zu sein“, erklären die Autoren zur Applikationsart des Estrogens und der Art des begleitend verabreichten Gestagens.

Experimentelle und klinische Befunde zeigen zudem, dass natürliches Progesteron im Unterschied zu synthetischen Gestagenen mit abweichenden endokrinen Eigenschaften die Estrogeneffekte auf das kardiovaskuläre System nicht nachteilig beeinflussen.

Anders als Progestine vermindert natürliches Progesteron auch nicht die positiven Estrogeneffekte auf den Fettstoffwechsel, insbesondere resultiert keine Absenkung des HDL-Cholesterins. Zudem schwächt es auch die antiinflammatorischen und blutdrucksenkenden Estrogenwirkungen nicht.

Schlafanstoßende Wirkung

Die sedierende Wirkung von Progesteron wird seit langem klinisch genutzt: Die abendliche Gabe verkürzt die Wachzeit im ersten Drittel der Nachtruhe und die Schlaf-Wachzeit-Übergänge signifikant, ohne Vigilanz und Kognition am nächsten Morgen zu beeinträchtigen.

Für diese schlaffördernde Wirkung ist eine Umwandlung zu Neurosteroiden wie Allopregnanolon notwendig, die im zentralen Nervensystem wirksam werden. Eine derartige Metabolisierung ist bei synthetischen Gestagenen nicht möglich.

Vaginale Therapie bei Kinderwunsch und drohender Frühgeburt

Fest etabliert ist die Anwendung von Progesteron zur Stützung der Lutealphase im Rahmen der assistierten Reproduktion. Mit der vaginalen Applikation werden dabei durch den uterinen First-pass-Effekt höhere intrauterine Spiegel erzielt als bei intramuskulärer Gabe.

Die vaginale Gabe wird auch zur Prävention der Frühgeburtlichkeit empfohlen.

Der Behandlungserfolg ist abhängig
von der regelmäßigen Anwendung.

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