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Progesteron bei der Tokolyse

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Die Wirksamkeit von Progesteron zur Prävention von Frühgeburten bei Einlings-Schwangerschaften von Risiko-Patientinnen ist in mehreren Studien und Meta-Analysen belegt. Unterstützend wirkt Progesteron bei der Tokolyse (Behandlung vorzeitiger Wehen), wobei akut höhere Mengen eingesetzt werden (400 mg oral oder vaginal).

Progesteron ist für den Erhalt einer Schwangerschaft wichtig. Die Substanz hemmt das verfrühte Einsetzen von Uteruskontraktionen. In der Klinik werden derzeit vor allem intravenöse Beta-Mimetika wie Fenoterol (Partusisten), Kalzium-Antagonisten wie Nifedipin und der Oxytocin-Antagonist Atosiban (Tractocile) zur Wehenhemmung eingesetzt. Diese Substanzen hemmen die Wehentätigkeit für einige (zwei bis sieben) Tage, senken jedoch nicht die Rate an Frühgeburten. Durch die Zugabe von Progesteron wird spekulativ eine Sensibilisierung des Myometriums für Tokolytika vom Typ der Beta-Agonisten erwartet.

Bei vorzeitigen Wehen Zeit gewinnen

Selbst wenn es durch die Tokolyse gelingt, die vorzeitige Wehentätigkeit zu stoppen, bleibt ein erhöhtes Risiko für diese Komplikation. Durch die Behandlung mit Progesteron kann möglicherweise dem Wiederauftreten von Wehen entgegengewirkt werden. Eine – allerdings offene – Studie zeigte die erwünschten positiven Effekte auf die perinatale Morbidität: Mit Progesteronsupport kamen signifikant weniger Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht (27 versus 51,5 Prozent; RR 0,52) zur Welt. Das Risiko für ein Atemnotsyndrom fiel von 36,4 auf 10,8 Prozent (RR 0,30).

Höheres Geburtsgewicht

In einer zweiten Studie mit zweimal wöchentlicher Gabe vom 341 mg Progesteron verlängerte sich die Zeit bis zur Entbindung um durchschnittlich zehn Tage. Das mittlere Geburtsgewicht lag rund 300 Gramm höher als in der Gruppe ohne Progesteron.

Weniger und kürzer Tokolytika nötig

In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie führte die vaginale Gabe von Progesteron zusätzlich zu Beta-Mimetika und langfristig zu einer signifikant reduzierten Dosis und Behandlungsdauer bei der Tokolyse. Diese Infusionstherapie wurde von knapp sechs auf rund drei Tage verkürzt. Die Hospitalisierungszeit reduzierte sich um etwa vier Tage. Im Vergleich mit Placebo konnte die Geburt im Mittel um zwölf Tage hinausgezögert werden. Dadurch wurde die Zahl der Neugebo­renen mit niedrigem Geburtsgewicht fast halbiert, ein neonatales Atemnotsyndrom wurde deutlich seltener dokumentiert. Zu beachten ist: Bei vorzeitigem Blasensprung, nach Cerclage oder bei positivem Fibronektintest besteht derzeit keine Evidenz dafür, dass Progesteron prophylaktisch wirksam ist.

Besser wirksam als Nifedipin

Eine aktuelle randomisierte Vergleichsstudie (Kamat 2014) mit 100 Schwangeren nach behandelter drohender Frühgeburt dokumentiert für Progesteron (400 mg/die) ein signifikant besseres Ergebnis als für Nifedipin (20 mg/dreimal täglich). Die Schwangerschaft verlief signifikant häufiger bis zum Termin (61 versus 10 Prozent) und verlängerte sich unter Progesteron um 40 Tage (Nifedipin 16,3 Tage). Die Neugeborenen wiesen ein höheres Geburtsgewicht, einen besseren Apgar-Score bei 1 und 5 Minuten und eine geringere Morbidität auf. Zudem kam es unter Progesteron zu signifikant weniger Nebenwirkungen.

Metaanalyse bestätigt Wirksamkeit

Eine aktuelle Metaanalyse (Suhag 2015) von 441 Frauen mit Einlings-Graviditäten bestätigt die Wirksamkeit einer Erhaltungstherapie mit vaginalem Progesteron nach akuter Tokolyse: Die Rate an Frühgeburtlichkeit und neonatalen Sepsisfällen war signifikant reduziert (OR 0,71 bzw. OR 0,34), die Schwangerschaften liefen durchschnittlich um 13,8 Tage länger fort.

Der Behandlungserfolg ist abhängig
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