Merkliste

0 Artikel auf der Merkliste

  • Sie haben noch keine Artikel auf Ihrer Merkliste

Habituelle Aborte

Loading

Bei habituellen Aborten findet sich in mehr als einem Drittel bis zur Hälfte der Fälle keine Ursache. Das belastet die Patientinnen und die behandelnden Ärzte stark. Besondere Fürsorge (“tender loving care”) hilft in diesen Fällen nachweislich. Und Progesteron.
Habituelle Spontanaborte sind definiert als drei oder mehr aufeinander folgende Spontanaborte vor der 20. Schwangerschaftswoche (SSW). In der Kinderwunschpraxis sind rund ein bis drei Prozent der Paare betroffen. Etwa zwei Drittel davon profitieren von der Behandlung beim Fertilitäts-Spezialisten und haben nach rund fünf Jahren ein gesundes Kind.

Habituelle Aborte: Mögliche Ursache (nach Hinney)

mögliche Ursachen Zusammenhang mit habituellen Aborten Häufigkeit
Chromosomenanomalien des Feten gesichert 50%
Chromosomenanomalien eines Elternteils gesichert 4 – 5%
Uterine Ursachen gesichert 10 – 15 %
Endokrine Ursachen z. T. gesichert unbekannt
Infektionen fraglich unbekannt
Umwelteinflüsse fraglich unbekannt
Thrombophilie fraglich 5 – 15 %
Antiphospholipid-Syndrom (APS) wahrscheinlich 10 – 15 %
Immunologische Ursachen umstritten unbekannt

Etablierte Ursachen und Therapieformen

Allgemein akzeptiert als mögliche Ursachen werden elterliche Chromosomenauffälligkeiten, uterine Fehlbildungen und eine Zervixschwäche. Das Antiphosholipid-Syndrom als erworbene Gerinnungsneigung (Thrombophilie) gilt als sehr wahrscheinlicher Grund für habituelle Aborte, die Bedeutung von anderen Thrombophilien ist eher fraglich. Immunologische Ursachen sind umstritten. Fehlbildungen der Gebärmutter können in der Regel operativ korrigiert werden. Myome lassen sich heute durch minimal-invasive Verfahren entfernen, ohne dass die Funktion der Gebärmutter und damit die Fertilität der Frau beeinträchtigt wird. Hormonelle Stör¬ungen (Hyperprolaktinämie, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Gelbkörperinsuffizienz, Hyperandrogenämie) sind einer medikamentösen Therapie zugänglich. Bei gesichertem Antiphospholipid-Syndrom ist mit niedrigdosierter Acetylsalicylsäure (ASS) – mit und ohne Kombination mit niedermolekularem Heparin – eine um 54 Prozent reduzierte Abortrate beschrieben. Heparin vermindert bei Thrombophilien das Risiko für Aborte und Fehlbildungen um 35 Prozent. Dabei besteht wohl kein Unter¬schied zwischen hohen und niedrigen Dosierungen oder dem Einsatz von unfraktionierten oder niedermolekularen Präparaten. Bei ungenügender Lutealfunktion hilft Progesteron.

Bei Lutealinsuffizienz vaginales Progesteron

Der Lutealinsuffizienz kommt bis zum Ende der 8. Schwangerschaftswoche (SSW) besondere Bedeutung zu. Bei Frauen mit rezidivierenden Aborten wird deshalb vaginales Progesteron prophylaktisch eingesetzt. In einer Meta-Analyse der Cochrane Collaboration wurde auf Basis von drei kontrollierten Studien eine signifikant verminderte Abortrate mit Progesteron-Behandlung bei Frauen mit drei oder mehr aufeinanderfolgenden Frühaborten in der Anamnese im Vergleich zu Placebo oder keiner Behandlung bestimmt (OR 0,39). In einer jordanischen Studie erhielten 82 Patientinnen nach drei oder mehr ungeklärten Aborten vom Zeitpunkt des positiven Schwangerschaftstests an bis zur 12. SSW Dydrogesteron (in Deutschland nicht in der Schwangerschaft zugelassen), wobei sich ebenfalls eine signifikant verminderte Abortrate im Vergleich zu Placebo zeigte.
Derzeit wird Progesteron bei Frauen mit habituellen Aborten im Rahmen der PROMISE-Studie geprüft. Dazu wird randomisiert doppelblind und placebokontrolliert zweimal täglich 400 mg Progesteron vaginal verabreicht. Die Behandlung beginnt nach dem positiven Schwangerschaftstest – nicht später als in der 6. SSW – und erfolgt bis zur 12. SSW. Erwartet wird eine um zehn Prozent höhere Lebendgeburtenrate (>24. SSW).

Keine nachteiligen Wirkungen auf die Gravidität

Die Autoren des Cochrane-Reviews geben allerdings keine generelle Empfehlung zur Progesteron-Substitution bei Frauen nach habituellen Aborten. Die Entscheidung sollte individuell erfolgen. Nachteilige Wirkungen einer Progesterongabe auf die Schwangerschaft sind nach Auffassung der Autoren nicht zu erwarten. Von synthetischen Gestagenen raten sie eindeutig ab.

Der Behandlungserfolg ist abhängig
von der regelmäßigen Anwendung.

Unser kostenfreier Erinnerungsservice
unterstützt Sie dabei zuverlässig.

Machen Sie eine Hormonersatztherapie?