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Drohende Frühgeburt

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Eine Frühgeburt kann eine lebenslange Hypothek bedeuten. Die langfristige Behandlung mit natürlichem Progesteron reduziert dieses kindliche Risiko bei Frauen mit vorangegangenen Frühgeburten oder verkürzter Zervix in der 20. bis 24. Schwangerschaftswoche (SSW) signifikant. Eine Zervixlängendiagnostik und im Fall einer Insuffizienz die Gabe von Progesteron empfehlen deutsche Experten (Dudenhausen 2015) und internationale Gremien (FIGO 2015).

Primärprävention senkt Risiko um über 50%

Eine Prävention mit Progesteron kann die Frühgeburtlichkeit in Risikogruppen um fast 60 Prozent reduzieren: Bei Frauen mit vorausgegangener Frühgeburt (< 37. SSW) sinkt durch die Supplementierung mit 200 mg Progesteron pro Tag ab der 16. SSW das Risiko um 58 Prozent (OR 0,42), wie eine Metaanalyse mit über 1.000 Patientinnen ausweist (Coomarasamy 2006). Mit einer number needed to treat (NNT) von neun ist der Nutzen dabei sehr hoch.
Mit vaginalem Progesteron ab der 24. SSW kann bei Risikopatientinnen die Inzidenz vorzeitiger Wehen auf die Hälfte (-52 Prozent) reduziert werden. Das belegt eine randomisierte türkische Studie bei 150 asymptomatischen Hochrisiko-Patientinnen mit vorausgegangener Frühgeburt, Zwillings-Schwangerschaft oder Uterusfehlbildungen. Die Progesteron-Prophylaxe bewirkte gegenüber Placebo bei Einlingen einen Rückgang der Geburten vor der 34. SSW von 24,3 auf 8,8 Prozent und insgesamt signifikant reduzierte vorzeitige Wehen (45,7 versus 25 Prozent). Zusätzlich mussten weniger Neugeborene intensivmedizinisch betreut werden (16 versus 37 Prozent).
Eine placebo-kontrollierte brasilianische Untersuchung hatte zuvor bereits eine Verminderung der Frühgeburtlichkeit auf die Hälfte bei Hochrisiko-Patientinnen ergeben. Der Prozentsatz von Geburten vor der 34. SSW sank von 19 auf rund drei Prozent unter vaginaler Progesterongabe.
In einer Reihe von Übersichtsarbeiten wird die vaginal Gabe von Progesteron bei Schwangeren mit anamnestischen Frühgeburten empfohlen.

Sekundärprävention bei verkürzter Zervix

Nach einer Meta-Analyse basierend auf individuellen Patientendaten (Romeo 2012) ist die Sekundärprävention mit Progesteron bei Zervixinsuffizienz im mittleren Trimester wirksam: Im Vergleich zu Placebo kamen um die Hälfte weniger Kinder vor der 28. SSW (5,1 versus 10,3 Prozent) zur Welt. Bei vor der 33. SSW geborenen Kindern war eine Verminderung um 45 Prozent zu erzielen (8,9 vs 16,1 Prozent), vor der 35. SSW lag der Prozentsatz noch um 38 Prozent niedriger (14,5 vs 23,3 Prozent).

Die Wirksamkeit der Progesteron-Prophy­laxe ist auch durch eine placebokontrollierte Studie der Fetal Medicine Foundation bei 250 Schwangeren mit verkürzter Zervix (≤ 15 mm, 22. SSW) belegt. Die Zahl der Geburten vor der 34. SSW sank unter Progesteron-Vaginalkapseln signifikant um 44 Prozent. Es resultierten weni­ger neonatale Todes­fälle (1,5 versus 5,1 Prozent), weniger Neugebo­rene mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm und dadurch weniger Morbi­dität: Im Progesteron-Arm waren weniger (15,8 versus 51,9 Prozent) und kürzere Intensivaufenthalte nötig (1,1 versus 16,5 Tage). Insgesamt fanden sich in der Gruppe mit Progesteron deut­lich mehr Gravide, bei denen die Schwanger­schaft über einen längeren Zeit­raum fortlief.

Progesteron wirkt bei Einlings- und Zwillings-Graviditäten

Die bisher umfangreichste Metaanalyse zum präventiven Effekt von Progesteron bei Zwillings-Schwangerschaften (Schuit 2014) umfasst 3.768 Schwangere mit 7.536 Babies. Hier ergab sich ein vergleichbarer Nutzen (RR 0,56, 95% KI 0,42-0,75) wie bei Einlings-Graviditäten, wenn eine verkürzte Zervix (≤25 mm, 24. SSW und früher) vorlag.

Ultraschall-Screening identifiziert Risikopatientinnen

Die routinemäßige Progesterongabe schnitt in der Metaanalyse ebenso wie in einer Cochrane-Analyse zwar nicht generell signifikant besser ab. Effektiv war sie jedoch in der Subgruppe mit verkürzter Zervix. Dokumentiert ist die Wirkung zudem bei Einlings-Schwangerschaften mit vorbestehenden Risiken wie Uterusfehl­bildungen und vorausgegangenen Frühgeburten.

Mittels Ultraschall-Screening können Schwangere mit verkürzter Zervix identifiziert und einer prophylaktischen Therapie mit Progesteron zugeführt werden. Dies befürworten nicht nur namhafte deutsche Experten. Auch die FIGO empfiehlt dieses Vorgehen im Komitee-Report 2015.

Neue Studien zur Frühgeburtlichkeit in der Pipeline

Mit der OPPTIMUM-Studie wird derzeit bei Risiko-Patientinnen mit Einlings-Schwangerschaften einerseits die gute Wirksamkeit einer vaginalen Progesterontherapie (200 mg täglich von der 22-34. SSW) mit verminderter Frühgeburtlichkeit und verbesserten neonatalen Ergebnissen nochmals überprüft. Zusätzlich werden die kurz- und langfristigen positiven Auswirkungen auf die kindliche Gesundheit erfasst. Im Alter von zwei Jahren werden kognitive und neurosensorische Funktionen im Vergleich zur Placebogruppe erhoben.

Zudem laufen mehrere Studien bei Zwillings-Schwangerschaften. In Israel wird dabei die doppelte Dosis von Progesteron (400 mg) eingesetzt und der Effekt auf die Frühgeburtlichkeit und perinatale Mortalität überprüft.

Vaginales Progesteron auch in der Schwangerschaft sicher

Ein wesentlicher Pluspunkt für den Einsatz von vaginalem Progesteron ist die Tatsache, dass es nach Einschätzung der britischen Arzneimittelbehörde MHRA und der US-amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin keine Hinweise auf relevante Nebenwirkungen oder Risiken für Schwangere oder Feten gibt.

Der Behandlungserfolg ist abhängig
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